Schopf-Tintlinge in der untergehenden Sonne

Beim Kontrollgang durch den herbstlichen Garten fallen sie schnell auf, die derzeit an vielen Orten aus dem Boden sprießenden Schopf-Tintlinge (Coprinus comatus). Frisch sollen sie gute Speisepilze sein. Allerdings sollte der Gourmet schnell die Pilzmesser wetzen, denn der Name Tintling ist Programm. Recht schnell zerfließen sie zu einer dunklen, unappetitlichen Masse. Der einschlägigen Literatur entnimmt man darüber hinaus, dass der Genuß in Verbindung mit Alkohol nicht ratsam ist. Das alles vermag ich als Pilzfreund, aber kulinarischer Pilzverächter nicht zu bewerten.

Sehr wohl bewerten kann ich allerdings die Ansammlung der Schopf-Tintlinge in unserem Garten. Per Zufall entdecke ich mitten auf der Wiese zwei Exemplare, die sich in einem fotogenen Zustand befinden. Die Hutränder sind schon etwas eingerollt, die Zersetzung hat bereits begonnen. Im Hintergrund finden sich einige weitere Exemplare, die diesen Zenit bei weitem überschritten haben. Die tief stehende und bald untergehende Sonne liefert ein wunderbares, weiches Licht. Zeit also, die Kamera an den Start zu bringen.

Die Herausforderungen bestehen darin, die Mauer, welche sich links befindet, nicht im Bild zu haben und den Zaun mit seinen vertikalen Strukturen im Hintergrund verschwimmen zu lassen. Ich beginne mit meinem Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6 L IS II USM Teleobjektiv. Bei 400mm kommt schon ein ganz ordentliches Ergebnis zustande. Allerdings löst sich der Zaun im Hintergrund noch nicht völlig auf und der Vordergrund wirkt etwas unaufgeräumt.

Naturnaher Garten
Zwei Schopf-Tintlinge (Coprinus comatus) im heimischen Garten

Es hilft nichts, es muss großes Gerät ins Gefecht geführt werden. Ich setze also das Canon EF 600mm f/4 L IS II USM an und begebe mich wieder auf die Pirsch. Mit dieser Kombination umgehe ich auch die auffällige Querstange im Zaun und kann in das Hochformat drehen. Durch die längere Brennweite und den größeren Abstand verschwimmt auch der Vordergrund besser. Dafür kämpfe ich nun mit einer anderen Herausforderung. Die Naheinstellgrenze beträgt 4,5m. Da wird es im Garten schon recht eng. Ich bin quasi technisch und körperlich am Limit. Denn um das Bild nach meinem Wunsche zu komponieren, muss ich bis auf den letzten Millimeter an die Pflanzsteine ran. Das lichte Haupthaar ruht zwischen duftendem Lavendel und Rosmarin, während ich den Kopf von oben auf den harten Pflanzstein drücke. Nur mit Mühe kann ich durch den Sucher noch etwas erkennen. Wer weiß, was all die Menschen denken, die gerade an unserem Garten vorbeigehen.

Naturnaher Garten
Zwei Schopf-Tintlinge (Coprinus comatus) im heimischen Garten

Egal, was zählt ist das Bild! Mit etwas Konzentration lassen sich zwar noch immer die vertikalen Stangen des Zaunes erkennen. Dennoch bin ich recht zufrieden und freue mich darüber, dass derartige Aufnahmen im heimischen Garten möglich sind.

Glück gehört natürlich dazu, denn am nächsten Tag war von den Tintlingen nicht mehr viel übrig. Dass das schöne Licht dann auch noch ausblieb, spielte also keine Rolle mehr.

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