Zillergrund, Plauener Hütte und Hannemannweg (15,6km)

Nach der großartigen ersten Wanderung während unseres Sommerurlaubs in den Zillertaler Alpen saßen wir aufgrund ausgeprägter Regenfälle für drei Tage in unserer Hütte fest. Heute sollte es eigentlich auflockern und so beschlossen wir, wiederum einem Ratschlag der Touristeninformation Mayrhofen zu folgen. Diesmal führte uns die Empfehlung in den Zillergrund. Ob das Wetter der Vorhersage nachgekommen ist und wie es uns dabei gefallen hat, könnt Ihr dem folgenden Artikel entnehmen. Die gemäß Logger zurückgelegten 15,6km könnt Ihr der beigefügten Karte entnehmen.

Übersichtskarte

Gesamtstrecke: 15557 m
Maximale Höhe: 2531 m
Minimale Höhe: 1902 m
Gesamtanstieg: 1010 m
Gesamtabstieg: -1022 m
Download file: 20200718-Zillergruendl.gpx

Karte: Alpenvereinskarte 35/3, Zillertaler Alpen Ost, 1:25.000

Anfahrt und Parken

Ab Mayrhofen folgen wir dem Verlauf der Ziller durch den Zillergrund. An der Mautstelle entrichten wir die Gebühren in Höhe von 8€ und setzen unsere Fahrt bis zur Bärenbadalm fort. Nur wenige Meter dahinter findet sich ein kleiner Wanderparkplatz. Da kurz hinter diesem der offiziell befahrbare Anteil dieser Straße endet, stellen wir hier unser Auto ab.

Nun begeben wir uns zu der Bushaltestelle gegenüber der Bärenbadalm. Dort warten wir auf den Bus, der kurze Zeit und eine Haltestelle später an der Staumauer seine Türen wieder öffnet.

Aufstieg zur Plauener Hütte

Sogleich werfen wir einen ersten Blick den Stausee entlang in das Tal hinein. Dichte Wolken hängen über dem See und verhüllen die umgebenden Berge. Noch hoffen wir, dass sich die Wolken im Laufe des Tages auflösen und den Blick freigeben werden. Direkt nach der Bushaltestelle geht es für uns aber zunächst in einen Tunnel hinein. Auf der anderen Seite treten wir wieder an das Licht des Tages und folgen dem Schotterweg leicht bergauf. Recht schnell treffen wir auf die ersten wild in Richtung Speicher Zillergründl stürzenden Wasserfälle. Anschließend geht es mehr oder weniger eben auf dem geschotterten Weg weiter, bis wir an ein Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege kommen.

An dieser Stelle beginnt nun der eigentliche Rundweg. Wir verlassen den Schotterweg und biegen nach links auf den schmalen Bergpfad ab. Durch saftiges Grün beginnt nun der Aufstieg zur Plauener Hütte. Schnell gewinnen wir an Höhe und kommen an eine drahtseilgesicherte Passage. Mittendrin plätschert ein kleines Bächlein über unseren Weg. Nach drei Tagen Regen sind aber ohnehin alle Felsen klatschnass, so dass wir uns den gesamten Tag über auf den Weg konzentrieren müssen. Jedenfalls haben wir von hier schon einen herrlichen Blick auf den Speicher Zillergründl. Etwas später erreichen wir in einem Seitental den Kuchlmoosbach, den wir mit Hilfe einer Brücke einzeln überqueren.

Über uns hängen noch immer dichte Wolken, welche die Plauener Hütte vor unseren Blicken verbergen. In Serpentinen wandern wir durch die herrliche Alpenlandschaft bergauf. Zu unseren Füßen weitet sich der Zillergrund und gibt den Blick über die Staumauer bis zu den gegenüberliegenden Bergen frei. Im folgenden kommen wir an einen weiteren Bach, welcher unseren Weg quert. Dann erkennen wir die Hütte auch schon über uns. Weiter oben folgen wir ein paar Schritte dem Zuweg zu einem Aussichtspunkt, wo wir einen weiteren großartigen Blick erhaschen. Dann sammeln wir unsere Kräfte zusammen und kommen bei 4 Grad Celsius und knapp unterhalb der geschlossenen Wolkendecke an der Plauener Hütte an.

Nun ist Zeit für eine Mittagsrast, verbunden mit einer ordentlichen Hüttenmahlzeit. Leider hat man darauf verzichtet, den Gastraum einzuheizen. Ein Aufwärmen war damit zwar nur bedingt möglich, das leckere Essen hat aber wieder neue Kräfte für den anstehenden Weg freigesetzt.

Auf dem Hannemannweg

Der Wettergott ist heute nicht auf unserer Seite. Beim Verlassen der Hütte blicken wir auf eine Nebelwand. Spätestens jetzt wird uns klar, dass wir die Hoffnung auf eine aussichtsreiche Wanderung in luftiger Höhe aufgeben können. Wir sind aber frohen Mutes, schließlich kann es ja immer schlimmer kommen. Das tut es kurze Zeit später auch. Zu dem Nebel gesellt sich ein leichter, aber beständiger Graupel. Glücklicherweise kommt dieser von hinten, so dass wir davon kaum etwas mitbekommen. Im Gegensatz zur allgemeinen Wetterlage ist der Abschnitt auf dem Hannemannweg wunderschön. Wir wandern mal auf schmalem Pfad, mal über größere und kleinere Felsbrocken. Immer wieder geben die Wolken einen kleinen Ausschnitt frei und lassen für einen kurzen Augenblick die Schönheit der umgebenden Bergwelt erahnen. Schade nur, dass heute eine so derartige Suppe vorherrscht. Dabei müssen wir sehr vorsichtig gehen, insbesondere auf den großen Felsbrocken. Durch den vielen Regen sind diese nass, die dekorativen gelbgrünen Flechten machen sie umso glitschiger. Dennoch lassen wir ab und an den Blick schweifen und dürfen mit etwas Glück gerade einen herrlichen Blick auf den Speicher Zillergründl erhaschen. Unschwer überqueren wir noch ein paar Schneefelder, bevor wir an einer Kreuzung den Hannemannweg schließlich hinter uns gebracht haben.

Abstieg und Rückweg

Wir verlassen den Hannemannweg in Richtung Zillergrund bergab, welchen wir nun wieder fest im Blick haben. Auch während des Abstiegs müssen wir ein Geröllfeld durchqueren. Gerade auf dem Weg bergab lassen wir Vorsicht walten, da die Gefahr des Ausrutschens hier noch größer ist. So tasten wir uns langsam nach unten, dem Zillergrund entgegen. Etwas später kommen wir alle wohlbehalten am Wegweiser neben der Ziller an.

An dieser Stelle ändern wir die Richtung und wandern fortan mehr oder weniger direkt zurück in Richtung Staumauer. Der Weg schmiegt sich neben der Ziller sanft in den Talboden ein. Die anstrengenden und steilen Passagen haben wir hinter uns gelassen. Dafür ist der Graupel zu Nieselregen geworden, der uns fortan kontinuierlich frontal ins Gesicht bläst. Diese fiesen Wetterverhältnisse wirken sich irgendwann dann doch auf die Motivation der Kinder aus. Um nicht ständig mein Objektiv trockenlegen zu müssen, fotografiere ich nun fast nur noch mit dem Regen, also nach hinten. Neben uns wächst die Ziller mit der Anzahl ihrer Zuflüsse und wird auch etwas wilder. Wir wandern eine ganze Zeitlang durch den Zillergrund, bis wir in der Ferne eine Gruppe von Hütten am Beginn des Speichers Zillergründl entdecken. Dort vorne ist sie also, die Hohenau-Alm. Für die Kinder ist sie der zweite Wanderpass-Stempel des Tages, in uns Erwachsenen erwacht die plötzliche Sehnsucht nach Kaffee und Kuchen. Derart motiviert bringen wir die restlichen Meter zügig hinter uns.

Vor der Hohenau-Alm angekommen verstehen wir, warum sie auch Klein-Tibet des Zillertals genannt wird. Während unsere Ankunft von einigen Tieren interessiert verfolgt wird, begrüßen uns auf dem Areal angebrachte Gebetsmühlen. Dahinter steigen wir ein paar Steinstufen zur Hütte hinauf, welche mit Gebetsfahnen verziert ist. Ein herrlicher Anblick! Leider ist der einzig beheizte Raum der Hütte gerade durch andere Gäste besetzt. So dürfen wir uns aber alleine im Nebenraum in die ausgelegten Decken kuscheln. Da der Tag schon deutlich fortgeschritten ist, sind die Kuchen auch schon in die Mägen der früheren Gäste gewandert. Aber wir freuen uns auch schon über einen heißen Kaffee und die Kinder über einen heißen Tee. Eigentlich wollen wir diesen spartanisch, aber doch unglaublich authentisch eingerichteten Raum gar nicht mehr verlassen. Es hilft aber nichts, schließlich haben wir noch eine ordentliche Strecke vor uns.

Also brechen wir wieder auf und setzen uns abermals dem Regen aus. Gleich hinter der Alm wandelt sich der bisherige Wanderpfad zu einem breiten Schotterweg. Auf diesem erreichen wir schnell den Ort des Zuflusses der Ziller in den Speicher Zillergründl. Der Regen wird nun immer stärker, so dass ich mich nun auch für das Verpacken der Kamera entscheide. Immer wieder kommen wir entlang des Weges an Bänken vorbei, von welchen aus sich unter normalen Umständen ein herrlicher Blick auf den See bieten sollte. Dann treffen wir auch wieder auf den Kuchlmoosbach, welchen wir heute Morgen auf einer Brücke überquerten. Hier stürzt er nun als herrlich anzusehender Wasserfall dem Speicher Zillergründl entgegen. Der Weg steigt nun deutlich an, bevor wir kurze Zeit später wieder an dem Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege stehen. Nun haben wir den Kreis geschlossen und wandern die letzten Meter bergab, vorbei an den Wasserfällen und durch den Tunnel zurück zur Bushaltestelle an der Staumauer.

Fazit

Auch solche Tage muss es geben. Die Wettervorhersage war diesmal besser, als sich die Realität gestaltete. Damit waren natürlich die erwähnten Einschränkungen der Sicht verbunden. Das kann natürlich in keiner Weise dem Weg angelastet werden. Der war nämlich wunderschön und wann immer wir einen Eindruck der Umgebung erhaschen durften, waren wir begeistert. Auch die Hohenau-Alm hat mir sehr gut gefallen. Was hier geboten wird ist einfach echt und herzlich. Trotz der nassen und kalten Witterung blicken wir auf einen tollen und erlebnisreichen Tag zurück, der uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird!

Meine zusammenfassende Bewertung:

PS: Wer mit dem Bus fährt sollte sich übrigens bezüglich der letzten Abfahrtszeit informieren. Ansonsten kauft man sich noch eine weitere Stunde Abstieg bis zur Bärenbadalm ein. Es sei denn, gerade von einem Einsatz zurückkehrende, ausgesprochen nette und hilfsbereite Angehörige der Bergrettung haben Mitleid mit den tapferen und nassen Kindern 😉

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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2 Antworten

  1. Frauke sagt:

    Hach, das sind immer so herrliche Bilder und toll, dass man sie ganz unangestrengt hier auf dem Blog genießen kann. 🙂
    LG Frauke

    • Hallo Frauke, vielen Dank für die lieben Worte! In den Bergen ist es eben einfach herrlich! Es freut mich natürlich zu lesen, dass ich zumindest einen Teil dieser Eindrücke vermitteln kann 🙂 Anstrengend war es auf jeden Fall, insbesondere das Wetter. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen 🙂 Liebe Grüße und Dir noch einen schönen Tag, Andreas

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