Schlegeisspeicher, Olpererhütte und Friesenberghaus (14,8km)

Nun hat er also begonnen, unser Sommerurlaub im Zillertal. Einer der ersten Wege führte uns in die Touristeninformation nach Mayrhofen, um uns nach geeigneten Wanderungen mit dem Nachwuchs zu erkundigen. Die fachkundige Beratung hatte die Rundwanderung vom Schlegeisspeicher über die Olpererhütte und das Friesenberghaus als Ergebnis. Die kostenfreien Wanderpässe für die Kinder untergeschnallt verliesen wir mit freudiger Erwartung die Tourismusinformation. Heute war es nun Zeit für den Realitäts-Check. Wie uns die Tour gefallen hat, könnt Ihr dem folgenden Artikel entnehmen. Der Verlauf der gemäß Logger zurückgelegten 14,8km ist in der beigefügten Karte dargestellt.

Übersichtskarte

Gesamtstrecke: 14760 m
Maximale Höhe: 2678 m
Minimale Höhe: 1827 m
Gesamtanstieg: 1126 m
Gesamtabstieg: -1106 m
Download file: 20200714-Schlegeisspeicher.gpx

Karte: Alpenvereinskarte 35/1, Zillertaler Alpen West, 1:25.000

Anfahrt und Parken

Schon die Anfahrt von Mayrhofen auf der Panoramastrasse ist ein Abenteuer. Man sollte dafür schon etwas Zeit einplanen. Einerseits kann man aufgrund der Serpentinen, der engen Tunnels und der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ohnehin nicht allzu schnell fahren. Andererseits ist am Kassenhäuschen für die Mautstrasse eine Ampel, an der man auch mal ein paar Minuten stehen kann. Nachdem unsere Zeit gekommen ist, bezahlen wir die 14€ für unser Auto und fahren weiter. Es geht jetzt auf die Staumauer des Schlegeisspeichers zu und dann den Serpentinen entlang bergauf, bis wir schließlich den See direkt neben uns haben. Nun fahren wir an allen Parkplätzen vorbei bis es am anderen Ende des Sees nicht mehr weiter geht. Die Gebühren für das Parken sind in der Maut bereits enthalten, so dass wir uns hierüber keine Gedanken mehr machen müssen. Jetzt gilt es also nur noch, die Schuhe zu wechseln und zu schnüren.

Ausschilderung

Die Orientierung heute ist nicht allzu schwierig. Um den Weg an sich zu erkennen, folgen wir den in Österreich üblichen rot-weiß-roten Markierungen. Insbesondere über die großen Felshalden sollte man sich von Markierung zu Markierung orientieren, um auf dem Weg zu bleiben. Die Wege sind darüber hinaus nummeriert. So folgen wir vom Schlegeisspeicher bis zur Olpererhütte der 502, von hier bis zum Friesenberghaus der 526 und ab hier zurück zum Schlegeisspeicher der 532. Entlang des Schlegeisspeichers verläuft schließlich die 524 zurück zum Parkplatz.

Aufstieg zur Olpererhütte

Vom Parkplatz wandern wir zunächst vorbei an den Informationstafeln am Zamserbach entlang zum Beginn des Schlegeisspeichers. An einem weiteren kleinen Parkplatz (hier hätten wir natürlich auch parken können) folgen wir der Beschilderung zur Olpererhütte. Zunächst wandern wir auf einem schmalen Pfad durch den herrlichen Bergmischwald. Da wir unsere heutige Wanderung bei knapp 1800 Höhenmetern beginnen, wird der Wald sehr schnell lichter und macht dann den für diese Höhe typischen Latschenkiefern Platz.

Von der Sonne verwöhnt geht es fortan in Serpentinen bergauf. Recht schnell haben wir an Höhe gewonnen und überblicken nun von oben den türkis schimmernden Schlegeisspeicher. Das Rauschen des Riepenbachs können wir schon deutlich vernehmen, auch wenn er bislang nur weit oben in der Ferne zu sehen ist. Das ändert sich nach und nach, bis der Gebirgsbach sein Wasser recht nah am Weg über Felsen kaskadierend talwärts schickt. Nach einer kurzen Pause geht es in den Serpentinen weiter bergauf. Wenn wir nun über Felsblöcke am Wegesrand auf den Schlegeisspeicher schauen, dann bietet sich uns ein unglaublich schönes Panorama. Schließlich erreichen wir den Aussichtspunkt Olpererhüttenblick. Von der dort aufgestellten Bank können wir nicht nur auf die Olpererhütte über uns blicken, sondern natürlich auch den Blick auf den Schlegeisspeicher ausgiebig genießen.

Die Hütte haben wir nun fest im Blick. Dennoch tropft der ein oder andere Schweißtropfen noch auf den alpinen Boden, bevor wir uns an einer Hüttenmahlzeit erfreuen dürfen. Nach weiterem Aufstieg überqueren wir den Riepenbach und machen uns dann an den Endspurt. Immer wieder begegnen uns hier oben recht große, mit Flechten verzierte Gesteinsbrocken. Noch ein letzter Anstieg und dann haben wir sie erreicht, die Olpererhütte.

Auf der Olpererhütte

Knapp 600 Höhenmeter haben wir bis zu unserem Mittagessen zurückgelegt. Dafür haben wir uns diesen atemberaubenden Ausblick genauso verdient wie das sehr leckere Essen auf der Olpererhütte. Überraschenderweise wird dieses unglaublich schnell serviert. Nachdem unsere Kräfte wiederhergestellt sind, machen wir uns wieder auf den Weg.

Zunächst begeben wir uns aber zu dem wenige Meter höher gelegenen Aussichtspunkt. Dort stehen wir vor einem Herz. Die Olpererhütte gehört nämlich zu den Herzhütten im Zillertal. Besucher können ihre Lieblingshütte hier mit einem Freundschaftsband versehen. Eine schöne Idee!

Wir folgen nun schon dem Weg in Richtung Friesenberghaus. Nach wenigen Metern treffen wir auf eine Menschenansammlung. Man steht hier an, um ein Bild auf der wohl bekanntesten Brücke des Zillertals, der Kebema Panoramabrücke, machen zu können. Die Umgebung ist natürlich schon phänomenal. Wer etwas mit der Perspektive spielt, kann mit einem Bild den Eindruck erwecken, als würde die Brücke in luftiger Höhe direkt über dem Schlegeisspeicher schweben. Die Wanderer, die sich hier aber nicht für ein Bild interessieren, sind vom Andrang eher genervt und versuchen die Brücke mitten durch den Alelebach zu umgehen. Das macht es für mich umso schwerer, ein Bild ohne Menschen hinzubekommen. Schließlich war der Slot für unser Familienshooting gekommen und anschließend ging es über die Kebema Brücke weiter entlang unseres Weges.

Übergang zum Friesenberghaus

Eine ganze Zeit lang bleibt der Schlegeisspeicher treu an unserer rechten Seite. Wir wandern weiterhin stets leicht bergauf und genießen dabei das traumhafte Panorama. Immer wieder kommen wir an Geröllfelder, wo wir über kleinere und größere Felsbrocken kraxeln müssen. Dabei orientieren wir uns von einer Wegmarkierung zur nächsten, um den Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Langsam aber sicher wird der Schlegeisspeicher hinter uns immer kleiner und verliert sich schließlich ganz.

Dafür betritt ein neuer Protagonist die Bühne unserer Aufmerksamkeit. Über dem abfallenden Hang vor uns schiebt sich langsam eine Felsspitze in die Höhe. Zeitweise wandern wir direkt auf den Hohen Riffler zu, der mit seinen 3168m zu den imposanteren Gestalten in den Zillertaler Alpen zählt. Der Hohe Riffler nimmt immer mehr Raum in unserem Sichtfeld ein, bis wir ihm schließlich auf den Bauch schauen können. Diesen ziert ein türkisfarben schimmerndes Gewässer, der Friesenbergsee. Rechts oberhalb des Sees erblicken wir nun erstmalig auch das Friesenberghaus, unser nächstes Zwischenziel. Auch wenn es nah aussieht, so ist aber doch noch ein anstrengender Weg zurückzulegen.

Entlang des Weges müssen wir erst eine knappe handvoll an Schneefeldern überqueren. Irgendwo hier haben wir den höchsten Punkt des Tages erreicht. Beim Blick nach unten wird uns bewusst, dass nun ein ordentlicher Abstieg erfolgen muss. Und der kommt jetzt auch tatsächlich. Über ein weiteres, etwas größeres Schneefeld gelangen wir an eine Wegekreuzung. Ab hier erfolgt der steile Abstieg mit herrlichem Blick auf den Hohen Riffler und den Friesenbergsee. Über dem Friesenberghaus ist deutlich der irokesenartige Gipfel zu erkennen. Dabei handelt es sich um das Petersköpfl. Ein kleiner Gipfel, der aufgrund seiner unzähligen Steinmännchen als weiterer Fotopunkt im Zillertal Berühmtheit erlangt hat. Unten angekommen Überqueren wir den Abfluss aus dem Friesenbergsee und machen uns anschließend an den letzten Aufstieg des Tages. Nach dieser nicht zu unterschätzenden Anstrengung gönne ich mir ein leckeres Radler auf der Terrasse des Friesenberghauses.

Abstieg zum Schlegeisspeicher

Von der Gesamtstrecke haben wir jetzt ca. 8km bewältigt. Dabei handelt es sich zwar um den deutlich anstrengenderen Anteil, dennoch steht noch eine ordentliche Strecke bergab vor uns. Daher wollen wir nicht lange trödeln, sondern machen uns gleich auf den Weg. In der Ferne erkennen wir eingebettet in die Gebirgswelt wieder unseren alten Begleiter den funkelnden Schlegeisspeicher. Dort wollen wir also hin. Aber jetzt gibt es erst eine Verzögerung. Die Sichtung eines Murmeltiers versetzt die ganze Familie in eine Starre. Minutenlang beobachten wir den Nager, wie er sich unmotiviert auf einem Stein ausruht. Sein gemächlicher Abgang etwas später löst auch unsere Starre.

Wir wandern nun über eine Hochebene und folgen dabei dem Lapenkarbach. Weidevieh grast gemütlich vor sich hin und lässt sich die gute Alpenvegetation schmecken. Hier oben möchte man nur zu gerne Rindvieh sein, nicht wie damals im Deutsch-Unterricht! Etwas später nutzen wir eine Brücke um den Lapenkarbach zu überqueren. Von der Brücke blicken wir über den rauschenden Bach bis auf den Hohen Riffler. Der Weg neigt zum Biegen und dieses Panorama entschwindet nun wieder hinter uns.

Stattdessen erreichen wir eine feuchtere Stelle, die uns schließlich in den Bereich der Friesenbergalm bringt. Um hier trockenen Fusses zu bleiben werden wir auf den Holzweg geführt. Über schmale Planken geht es scheinbar direkt auf den Schlegeisspeicher zu. Weiter unten dreht der Weg dann nach links und wir haben erstmalig einen grandiosen Blick auf den See mit seiner Staumauer. Der Weg ist nun dicht gesäumt von Latschenkiefern, die mit ersten Bäumen durchsetzt sind. Die Bäume werden schließlich mehr und wir wandern auf dem schmalen Pfad durch einen herrlichen Bergwald. Wir wandern vorbei an dem tosenden Falschseitenbach und erkennen durch die Bäume das türkisfarbene Schimmern des Schlegeisspeichers. Dann nähern wir uns wieder dem Alelebach und stehen plötzlich wieder fast auf Augenhöhe mit der Staumauer. Über eine abenteuerliche Brücke überqueren wir den Bach und bestaunen einige Augenblicke das muntere Tosen des talwärts rauschenden Wassers. Weiter vorne biegen wir rechts ab und stehen kurze Zeit später vor der Dominikushütte. Die Zeit ist nun doch schon sehr fortgeschritten, weswegen eine weitere Einkehr heute nicht mehr in Frage kommt.

Wir folgen nun also dem asphaltierten Weg bis zum Schlegeisspeicher. Dort geht es weiter an der Strasse entlang. Noch einmal treffen wir auf den Riepenbach, der sein Wasser an dieser Stelle in den Schlegeisspeicher ergießt. Von hier wandern wir in wenigen Minuten zurück zum Parkplatz. Jetzt stehen hier nur noch wenige Autos. Wir waren lange unterwegs, der Nachwuchs hat sich heute mehr als tapfer geschlagen! Voller unglaublicher Eindrücke steigen wir ins Auto und machen uns an die Rückfahrt. Über die Serpentinen, durch die beeindruckenden Tunnels, durch das wunderschöne, eng eingeschnittene Tal! Um die Kinder zu ziteren: Ich wünschte, wir würden hier wohnen! Seufz.

Fazit

Was eine Hammerwanderung! Sicherlich eine der schönsten, die ich jemals unternommen habe! Der Aufstieg zur Olpererhütte war zwar intensiv begangen. Dafür hat sich der ganze Trubel spätestens nach der Kebema Brücke gelichtet. Und dieses Bild bekommt man nicht neben einem schnell zu erreichenden Parkplatz geschenkt, man muss es sich mit Schweiß erarbeiten. Während des ganzen Weges waren wir von der traumhaften Kulisse der Zillertaler Alpen umgeben, mal dominiert durch den Schlegeisspeicher, mal durch den Hohen Riffler. Mit der Olpererhütte, dem Friesenberghaus und der Dominikushütte konnten die Kinder gleich drei Stempel für ihre Wanderpässe einholen, die sie sich auch redlich verdienten! Wir hatten einen traumhaften Tag, für den man natürlich nur die volle Punktzahl vergeben kann!

Meine zusammenfassende Bewertung:

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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2 Antworten

  1. Frauke sagt:

    Waaaaahnsinnseindrücke !!!
    Allein der Blick vom Aussichtspunkt Olpererhüttenblick … einfach unbeschreiblich schön.
    Ich war als Kind viele Male mit meinen Eltern in Tirol und auch in den Zillertaler Alpen unterwegs. Leider konnten wir aufgrund einer Gelenkserkrankung meines Vaters damals nie großartig in der Gegend herumwandern (ok … als Kind hätte ich das Wandern wahrscheinlich auch nicht so gut gefunden).
    Am Schlegeisspeicher waren wir auch diverse Male, aber eben auch nur unten am Rand.
    Vielen Dank, dass du mich in meine Kindheit zurück geführt hast und mir nun auch die wundervolle Umgebung des Speichers nahe gebracht hast.
    Ich kann absolut nachvollziehen, dass du so begeistert von der Wanderung bist, wenn ich es allein schon aufgrund der Bilder bin.
    LG Frauke

    • Hallo Frauke,
      das freut mich aber zu lesen, dass ich diese Erinnerungen in Dir wecken konnte 🙂 Vielen Dank auch für Deine lieben Worte! Wir durften wirklich eine außergewöhnlich traumhafte Umgebung und eine tolle Wanderung erleben! Ich wünsche Dir noch ein schönes Wochenende!
      Liebe Grüße, Andreas

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