Rund ums Kleinwalsertal Tag 4 (17,6km)

Die dritte Etappe unserer viertägigen Rundwanderung um das Kleinwalsertal führte uns gestern von der Widdersteinhütte zur Schwarzwasserhütte. Heute wollen wir von hier zuerst über den Eugen-Köhler-Weg zum Hohen Ifen aufsteigen. Anschließend beabsichtigen wir über das Gottesackerplateau nach Hirschegg abzusteigen und von dort entlang des Schwarzwasserbachs zurück nach Riezlern zu wandern.

Den vollständigen Verlauf der viertägigen Wanderung haben wir wie folgt ausgeplant:

An dieser Stelle noch Hinweise zum heutigen Tag:

  • Das Begehen des Gottesackerplateaus erfordert Trittsicherheit und sollte nur an Tagen mit guter Sicht erfolgen.
  • Bei einer solchen mehrtägigen Hüttenwanderung durch die Alpen ist eine Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein (DAV) aus verschiedenen Gründen sehr zweckmäßig.

Übersichtskarte

Gemäß Logger bewältigten wir heute eine Distanz von 17,6km, einen Gesamtanstieg von 1.210 sowie einen Gesamtabstieg von 1.770 Höhenmetern. Den von uns zurückgelegten Weg könnt Ihr aus der beigefügten Übersichtskarte entnehmen.

Gesamtstrecke: 17636 m
Maximale Höhe: 2285 m
Minimale Höhe: 1067 m
Gesamtanstieg: 1210 m
Gesamtabstieg: -1768 m
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Morgendliche Vorbereitung

In unserem fantastischen Zweibettzimmer auf der Schwarzwasserhütte verbringen wir natürlich eine ruhige Nacht. Nach der Morgentoilette stärken wir uns mit einem Frühstück, bereiten unsere Lunchpakete vor und füllen unsere Wasservorräte auf. Schließlich haben wir einen langen Tag vor uns, vermutlich wieder ohne Einkehrmöglichkeiten.

Aufstieg zum Hohen Ifen

Wieder einmal brechen wir gemütlich gegen 8 Uhr auf. Die tief stehendende Sonne färbt die Umgebung mit einem warmen und weichen Licht. Zunächst wandern wir durch ein recht feuchtes Areal, was sich durch die Holzplanken auf dem Weg bemerkbar macht. Schon von Anbeginn haben wir die markante Kontur des Hohen Ifen im Blick und wandern geradewegs darauf zu. Dessen Gipfel soll der höchste Punkt unserer heutigen Bergtour werden. Auf dem schmalen Bergpfad wandern wir so zur Ifersguntalpe, wo uns einige Kühe neugierig mustern.

Ab besagter Ifersguntalpe beginnt der Eugen-Köhler-Weg, der uns bis hinauf zum Gipfelplateau des Hohen Ifen bringen soll. Noch ein kurzes Stück wandern wir in Richtung Norden, bis wir den abfallenden Hang des Hohen Ifen erreicht haben. Dann dreht der Weg in Richtung Osten und beginnt leicht anzusteigen. Wir durchqueren ein Geröllfeld und passieren mehrere drahtseilgesicherte Passagen. Diese sind meines Erachtens bergauf recht gut zu bewältigen. An einer Stelle ist das Drahtseil sehr tief angebracht, so dass hier bergab etwas mehr Kraxelei abzuleisten wäre. Schließlich haben wir den felsigen Anteil hinter uns gebracht und erreichen den mit Gras bewachsenen Südhang unterhalb des Gipfelkreuzes. Weiter geht es nun auf einem schmalen Pfad. Im Vorbeigehen schrecken wir ein männliches Alpenschneehuhn (Lagopus muta) auf. Das vertraut so lange auf seine hervorragende Tarnung, bis es sich entdeckt glaubt. Ich habe das Tierchen jedenfalls erst nach der Fluchtbewegung erkannt und die Situation sogleich für ein Bild im Lebensraum genutzt. Etwas später erreichen wir eine Wegkreuzung. Unser späterer Abstieg ist zu unserem Weg hinzugestossen. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Gipfelkreuz.

Am Gipfel des Hohen Ifen bietet sich uns eine fantastische Aussicht. In Richtung Süden erkennen wir im Tal den Ausgangspunkt des heutigen Tages, die Schwarzwasserhütte. Darüber erkennen wir den Grat, der sich von der Ochsenhofer Scharte zum Walmendinger Horn erstreckt. Dahinter ist wieder einmal eindrucksvoll der Große Widderstein zu erkennen. In nördlicher Richtung bietet sich uns ein gänzlich anderer Blick, der allerdings nicht weniger spektakulär ist. Von der senkrecht abfallenden Kante des Hohen Ifen schauen wir über das weitläufige Gottesackerplateau, das sich zu unseren Füßen ausbreitet. In Anbetracht dieser herrlichen Aussicht gönnen wir uns eine ausgiebige Pause und genießen unser mitgebrachtes Mittagessen.

Abstieg zum Gottesackerplateau

Frisch gestärkt und voll mit Eindrücken machen wir uns wieder auf den Weg. Dazu folgen wir für ein kurzes Stück dem Pfad, auf welchem wir herauf gekommen sind. An der Wegkreuzung folgen wir dem Pfad nach links und wandern entlang der nördlichen Abbruchkante des Hohen Ifen entlang. Schließlich erreichen wir eine mit Drahtseil gesicherte Stelle, an welcher wir etwas steiler bergab kraxeln müssen. Diese Passage ist schnell gemeistert. Nun wandern wir unmittelbar unterhalb der Abbruchkante des Hohen Ifen entlang zurück. Im Folgenden treffen wir auf ein größeres Schotterfeld, welches in Teilen noch mit Schnee bedeckt ist. Auf der anderen Seite angekommen werfen wir einen Blick zurück auf den Hohen Ifen und seinen imposant abfallenden Nordhang. Von hier geht es bis zur Ifen Bergstation ein kurzes Stück bergauf. Vor uns liegt nun der Einstieg in das Gottesackerplateau.

Über das Gottesackerplateau

Zu Beginn müssen wir ein ausgedehntes Schneefeld überwinden, was schnell getan ist. Vor uns erstreckt sich die atemberaubende Karstlandschaft des Gottesackerplateaus. Beeindruckende Gesteinsformationen breiten sich aus, so weit das Auge reicht. Der Weg ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Eigentlich wandern wir auch nicht durchgängig auf einem richtigen Weg. Über weite Teile geht es direkt auf den verwitternden Steinen entlang. Zur Orientierung finden sich aber alle paar Meter Markierungen auf Steinen am Boden.

Im Internet finden sich regelmäßig Hinweise darauf, dass das Gottesackerplateau nur bei guter Sicht begangen werden soll. Dank der Eindrücke vor Ort kann ich diese Aussage nur unterstreichen. Wer hier einen Tritt falsch setzt, der kann im schlimmsten Fall tief fallen oder umknicken und sich schwer verletzen. Darüber hinaus ist zu befürchten, dass die Wegmarkierungen nicht gefunden werden und man sich in diesem riesigen Gesteinslabyrinth verirrt.

Bei guter Sicht ist das Finden der teilweise weglosen Route hingegen unproblematisch. Wir genießen jeden einzelnen Meter durch diese unglaubliche Landschaft. Dennoch bleibt zu berücksichtigen, dass man beim Wandern über dieses Gestein langsamer vorankommt als auf einem Wanderweg. So verbringen wir tatsächlich einiges an Zeit auf dem Gottesackerplateau. Wir wandern nun schnurstracks auf einen aufsteigenden Hang zu, auf welchem sich die Gottesackerscharte befindet. Am Fuße dieses Hangs erreichen wir an einer Wegkreuzung die verfallene Gottesackeralpe. Hier endet unsere Durchquerung des Gottesackerplateaus, wir biegen nach rechts ab und beginnen den Abstieg zurück ins Kleinwalstertal.

Abstieg nach Hirschegg

Der Wanderpfad führt uns zunächst weiter durch die verkarstete Landschaft. So gelangen wir in ein Seitental hinein. Dabei wird unser Weg zeitweise zum Hohlweg, links und rechts eingesäumt durch das Gestein. Mehrfach treffen wir auf verbliebene Schneefelder, das ein oder andere müssen wir umgehen. Bei einer herrlichen Aussicht auf den Taleinschnitt vor uns und die in der Ferne liegenden Berge wandern wir stetig bergab, bis wir die Latschenkiefern hinter uns lassen und die Baumgrenze erreichen. Mehr oder weniger geradlinig wandern wir vorbei an Farnen und Heidelbeeren durch den Nadelwald bergab. Schließlich gelangen wir auf einen geschotterten Forstweg und erblicken kurze Zeit später unter uns grüne Wiesen und die ersten Dächer. Wir haben nun die Ausläufer von Hirschegg erreicht. An der Bushaltestelle Sonnblick bestünde jetzt die Möglichkeit mit Hilfe der ÖPNV weiterzufahren. Das ist für uns keine Option, wir fahren natürlich per pedes fort.

Von Hirschegg nach Riezlern

Von hier geht es auf einem Schotterweg weiter, wieder in den Wald hinein. Dort treffen wir auf den Schwarzwasserbach, dessen Lauf wir mal mit größerem, mal mit kleinerem Abstand folgen. Dabei wandern wir durch Wald und Wiesen, vorbei an einzelnen Häusergruppen. Schließlich überqueren wir erst den Aubach und dann den Schwarzwasserbach. Es folgt wieder ein kurzer Aufstieg in der prallen Sonne. Glücklicherweise erspähen wir einen Wegweiser, welcher uns auf die Panoramahütte Riezlern aufmerksam macht. Den sehr kurzen Umweg nehmen wir gerne in Kauf und unternehmen einen Einkehrschwung. In rekordverdächtiger Zeit entleeren sich die dargereichten Erfrischungen in unsere gierigen Schlünder. Derart gestärkt nehmen wir die letzten Meter in Angriff. Dazu müssen wir aber noch einmal einige Meter bergab steigen, um die im Talgrund fließende Breitach zu überqueren. Auf der anderen Seite schleppen wir uns nun wieder den Hang hinauf. Oben angekommen durchwandern wir den Kurpark und kommen dann vorbei an Hauptschule und Kindergarten zurück zur Walserstraße. In wenigen Schritten bergab erreichen wir nunmehr den Parkplatz P5, an welchem wir vor drei Tagen unsere Wanderung begonnen haben.

Fazit

Ein wunderschöner, vielfältiger, aber auch gehörig anstrengender Tag liegt hinter uns. Die fantastischen Landschaften und Aussichten rund um den Hohen Ifen und das Gottesackerplateau haben uns absolut begeistert. Auch der Abstieg ins Kleinwalsertal birgt einige landschaftliche Reize. Entlang des Schwarzwasserbachs hat es uns auch sehr gut gefallen. Es bleibt aber zu berücksichtigen, dass sowohl der Weg über das Gottesackerplateau als auch der Abstieg ins Kleinwalsertal recht lang und kräftezehrend sind. Alles in allem ein würdiger Abschluss unserer diesjährigen Hüttenwanderung!

Meine zusammenfassende Bewertung:

Gesamtfazit

In insgesamt vier Tagen haben wir einen großen Teil des Kleinwalsertals umwandert. Dabei verbrachten wir die Nächte auf drei Hütten, die nicht unterschiedlicher hätten sein können. Alle hatten aber ihren eigenen Reiz. Diesmal hatten wir auch zwei kleinere Spiele für die Hüttenabende dabei, was sich als sehr zweckmäßig erwiesen hat. Die Touren waren allesamt wunderschön, wenngleich ich auch an dieser Stelle noch einmal auf meine Anmerkungen zum dritten Tag hinweisen möchte. Insgesamt eine wunderschöne Tour, die ich nur empfehlen kann!

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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