Rund ums Kleinwalsertal Tag 2 (13,3km)

Gestern brachte uns die erste Etappe unserer viertägigen Rundwanderung um das Kleinwalsertal von Riezlern hinauf zur Fiderepasshütte. Unsere heutige zweite Etappe führt uns zunächst über die Fiderescharte und den Krumbacher Höhenweg zur Mindelheimer Hütte. Auf dem anschließenden Weg zum Tagesziel Widdersteinhütte beabsichtigen wir zwischendurch noch einen Abstecher auf das Geisshorn zu unternehmen.

Den vollständigen Verlauf der viertägigen Wanderung haben wir wie folgt ausgeplant:

An dieser Stelle noch Hinweise zum heutigen Tag:

  • Die Widdersteinhütte hat nur sehr wenig Übernachtungskapazitäten. Eine Übernachtung ohne Reservierung ist nicht möglich. Es empfiehlt sich daher eine frühzeitige Reservierung.
  • Bei einer solchen mehrtägigen Hüttenwanderung durch die Alpen ist eine Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein (DAV) aus verschiedenen Gründen sehr zweckmäßig.

Übersichtskarte

Gemäß Logger bewältigten wir heute eine Distanz von 13,3km und einen Gesamtanstieg von 1.182m. Den zurückgelegten Weg könnt Ihr aus der beigefügten Übersichtskarte entnehmen.

Gesamtstrecke: 13294 m
Maximale Höhe: 2418 m
Minimale Höhe: 1892 m
Gesamtanstieg: 1182 m
Gesamtabstieg: -1233 m
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Morgendliche Vorbereitung

Wir verbrachten die Nacht auf der Fiderepasshütte in einem Matratzenlager mit Familien. Eigentlich witzig, da wir gerade ausnahmsweise ohne Kinder unterwegs sind. Das führte jedenfalls dazu, dass die Nacht ausgesprochen ruhig verlief.

Den gesamten Tag über kommt als Einkehrmöglichkeit nur die Mindelheimer Hütte in Frage. Dort planen wir aber vor 11 Uhr und damit vor der Mittagszeit anzukommen. Um den Tag über flexibler zu sein, stellen wir uns beim Frühstück ein Lunchpaket zusammen.

Kurz vor 7:30 Uhr treten wir auf die Terrasse der Fiderepasshütte und rüsten uns zum Aufbruch. Dabei blicken wir in Richtung Osten über die in blaugrauem Dunst hintereinander liegenden pittoresken Bergketten der Allgäuer Alpen im Osten. Ein wunderschöner Start in den heutigen Bergwandertag!

Rund ums Kleinwalsertal Tag 2
Am Morgen blicken wir auf die hintereinanderliegenden Bergketten der Allgäuer Alpen in Richtung Osten

Aufstieg zur Fiderescharte

Während der Allgäuer Steinbock-Tour hatten wir letztes Jahr von der Fiderepasshütte bis zur Mindelheimer Hütte fast durchgängig Nebel. Heute hingegen können wir von der Terrasse der Fiderepasshütte den ersten Abschnitt unserer Tagesetappe bis hinauf zur Fiderescharte auf einen Blick gut einsehen.

Zunächst steigen wir in wenigen Schritten hinab zum Fiderepass. Dort beginnt dann auch das Geröllfeld, welches uns bis hinauf zur Fiderescharte begleitet. Der gut zu begehende Weg schlängelt sich am zumeist schattigen Nordhang entlang bergauf. Auch das ein oder andere kleinere Schneefeld ist hier noch zu finden. Von weiter oben bietet sich ein herrlicher Blick auf den inzwischen von der Sonne angestrahlten Fiderepass und die umgebenden Berge. Nun ist es nur noch ein kurzer Weg bergauf und die Sonne strahlt auch in unser Angesicht. Wir haben die Fiderescharte erreicht.

Abstieg zur Mindelheimer Hütte

Welch einen Gegensatz sich uns nun zwischen dem sonnenabgewandten Nordhang im Geröll und dem von der Sonne verwöhnten, grünen Südhang präsentiert. Es ist nur ein kleiner Schritt, der aber fast wie der Eintritt in eine andere Welt wirkt. Wir stehen nun im Licht und schauen auf die gegenüberliegenden eindrucksvollen Berge.

Gleich nach Durchschreiten der Fiderescharte geht unser Pfad ein kurzes Stück an einer drahtseilgesicherten Stelle entlang. Nachdem wir dies hinter uns gelassen haben schauen wir auch schon auf eine imposante Felswand vor uns. Diese ist schon Teil des Mindelheimer Klettersteigs. Dessen Einstieg befindet sich weiter vorne entlang unseres Weges an einer unscheinbaren Abzweigung. Von hier oben bietet sich noch ein toller Blick durch Felsen hindurch auf die Fiderepasshütte und den dahinter liegenden Hohen Ifen. Wir haben vorübergehend den höchsten Punkt erreicht und wandern nun wieder bergab durch eine wunderschöne Alpenlandschaft.

Nach einem kurzen Abstieg treffen wir auf den Krumbacher Höhenweg, welchem wir bis zur Mindelheimer Hütte folgen. Nur etwas später stösst dann die Via Alpina zum Krumbacher Höhenweg hinzu. Diesem Fernwanderweg, welchem wir erstmalig auf dem Grat zwischen dem Heimgarten und dem Herzogstand begegnet sind, folgen wir nunmehr bis zur Widdersteinhütte. In einem leichten Auf und Ab wandern wir nun bis zur Mindelheimer Hütte, welche wir kurz vor 11 Uhr erreichen.

Wir haben keine Eile und so gönnen wir uns eine kleine Rast verbunden mit einer Einkehr. Währenddessen schauen wir auf die gegenüberliegenden Berge und erinnern uns an den eindrucksvollen zweiten Tag der herrlichen Allgäuer Steinbock-Tour. Denn von hier blicken wir direkt in den wild-romantischen Mutzentobel und erkennen auch den anschließenden Weg zur Rappenseehütte.

Auf der Via Alpina zum Koblat

Wir bereits zuvor geschildert, folgen wir weiterhin dem Verlauf der Via Alpina. Diese zweigt direkt hinter der Mindelheimer Hütte nach rechts ab. Auf einem Bergpfad wandern wir weiter unterhalb der Berggipfel entlang. Dabei passieren wir auch das ein oder andere Schneefeld. Man merkt, dass der Winter sich lang in das Jahr hineingezogen hat. Auf dem gegenüberliegenden Hang blicken wir nun auf den landschaftlich wunderschönen Schrofenpass, welchen wir vor einem Jahr erleben durften.

Der Weg steigt nun an und führt uns hinauf zum Wildengundkopfsattel. Unterwegs bietet sich uns ein wunderschöner Blick auf unseren Weg bis zur Mindelheimer Hütte zurück. Vom Wildengundkopfsattel erkennen wir hoch über uns den Gipfel des Geisshorns. Wir sind diesem Zwischenziel nun schon richtig nahe gekommen. Der Weg führt uns nun unterhalb des Gipfels in Richtung Koblat, denn der Aufstieg erfolgt von der anderen Seite. Mit den Ausläufern des Koblats erreichen wir schließlich auch das Wegekreuz mit dem Wegweiser zum Geisshorn.

Abstecher zum Geisshorn

Ab jetzt wirds richtig anstrengend. Auf der 2D-Karte sieht es nach einem kurzen Abstecher auf den Gipfel aus. In der Realität ist aber noch der Höhenunterschied zu berücksichtigen. Auf dem geschotterten Weg geht es steil nach oben. Da das Gipfelkreuz während des Aufstiegs nicht einsehbar ist, bleiben wir die meiste Zeit über den noch verbleibenden Weg im Ungewissen. Streckenweise wandern wir eindrucksvoll direkt neben der Abbruchkante entlang. Schließlich erreichen wir schweißtriefend das Gipfelkreuz. Nun haben wir uns das Mittagessen redlich verdient.

Bei einer herrlichen Aussicht kauen wir auf unseren Broten herum. Vom Geisshorn bietet sich ein fantastischer Rundumblick. In Richtung Osten schauen wir zurück bis auf die Mindelheimer Hütte und unseren zurückgelegten Weg. Im Südosten ragt der Biberkopf mit seinen 2.599m empor. In westlicher Richtung dominiert der imposante Felsklotz des Grossen Widdersteins. Links von diesem ist wunderschön das Koblat zu erkennen, rechts von diesem erkennen wir in zweiter Reihe das Derrenjoch und den Grat zum Hochstarzel. Im Nordwesten erblicken wir den markanten Hohen Ifen und das Gottesackerplateau. Hinzu kommt eine Gruppe von Alpensteinböcken (Capra ibex) welche unterhalb des Gipfels eine Ruhepause eingelegt haben. Eigentlich möchte man bei diesem Blick gar nicht mehr ans Weitergehen denken.

Schließlich raffen wir uns auf und machen den nächsten Gipfelstürmern Platz. Mit etwas Trittsicherheit ist der steile Abstieg auf dem Schotterpfad gut zu bewältigen. Dabei blicken wir ständig auf das Koblat und den Grossen Widderstein. Nur etwas später sind wir zurück an der Wegekreuzung, an welcher wir den Aufstieg begannen.

Vom Koblat zur Widdersteinhütte

Nun machen wir uns an den letzten Abschnitt des heutigen Tages, die Durchquerung des Koblats und den Endspurt zur Widdersteinhütte. Durch das Koblat wandern wir in einem leichten Auf und Ab. Nur zu Beginn können wir uns noch zum Geisshorn umblicken. Geradeaus zeigt sich ab und an der Grosse Widderstein, der dann aus den Unebenheiten des Koblats herausragt.

Mittendrin im Koblat erblicke ich plötzlich eine frei stehende Gämse (Rupicapra rupicapra). Diese ist sehr geduldig und wartet, bis ich sie in Szene gesetzt habe. Erst als ich zufrieden mein Teleobjektiv wieder im Rucksack verstaue, bricht auch sie auf und trottet langsam davon.

Ab und an bietet sich uns auch ein Blick in südöstlicher Richtung ins Lechtal sowie auf die Bregenzerwaldstrasse. Wir wandern weiter auf den Grossen Widderstein zu, an dessen südlichem Hang unser Tagesziel liegt. Am Gemstelpass haben wir das Koblat schließlich durchquert. Hier treffen wir auch auf den Weg, welcher zum Aufstieg aus Mittelberg genutzt wird. Von hier werfen wir einen letzten Blick zum Geisshorn. Dann treten wir einen letzten kurzen Anstieg an und stehen kurze Zeit später vor der Widdersteinhütte am Fusse des Grossen Widdersteins.

Auf der Widdersteinhütte

Bis zur Quartiervergabe wirken wir bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse erst einmal dem Flüssigkeitsverlust entgegen. Die anschließende Vergabe der insgesamt 26 Übernachtungsplätze erfolgt auf einen Schlag. Es gibt ein Matratzenlager und kleinere Nebenräume, alle Schlafplätze befinden sich im Obergeschoss. Wir haben Glück und bekommen ein kuscheliges Séparée im Gang zugewiesen. Eine Dusche sucht man auf der Widdersteinhütte vergebens, dafür gibt es zum Waschen warmes Wasser. Das ist meines Erachtens nach für eine Alpenvereinshütte vollkommen ausreichend und macht auch den gewissen Reiz aus.

Den Abend verbringen wir mit den anderen Übernachtungsgästen. Bei leckerem Essen und kühlen Getränken lassen sich interessante und lustige Gespräche führen. Die Zeit vergeht wie im Flug, so dass wir wieder einmal fast die untergehende Sonne verpasst hätten. Müde geht es schließlich ins Séparée und ins Reich der Träume.

Fazit

Was ein großartiger Tag in den Bergen! Die erste Hälfte der Tour kannten wir ja bereits aus dem Vorjahr, allerdings nur bei Nebel. Die Aussicht während des Aufstiegs zur Fiderescharte ist schlichtweg wunderbar. Das Highlight des heutigen Tages war aber der Abstecher auf das Geisshorn. Der Rundumblick dort oben ist absolut traumhaft. Sehr schön war es jedoch auch, die kleine Widdersteinhütte einmal als Übernachtungsgast kennenzulernen. Eine Tour, an die wir gerne und noch lange zurückdenken werden!

Meine zusammenfassende Bewertung:

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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