Heimgarten und Herzogstand (10,9km)

Mit der dritten und letzten Wanderung unseres einwöchigen Aufenthalts in der Murnauer Umgebung wollten wir die beiden Gipfel besteigen, die uns seit mehreren Tagen schon ins Auge stechen. Der Heimgarten und der Herzogstand sind die ersten Gipfel der Bayerischen Voralpen, die aus dem flachen Vorland hervorragen. Markant stehen sie zwischen Walchensee im Süden und Kochelsee im Norden. Nur durch einen langgezogenen Grat sind die Gipfel miteinander verbunden. Bei einigermaßen klarer Sicht erwartet uns heute also eine spektakuläre Landschaft. Unseren zurückgelegten Weg könnt Ihr der folgenden Karte entnehmen.

Übersichtskarte

Gesamtstrecke: 12258 m
Maximale Höhe: 1841 m
Minimale Höhe: 857 m
Gesamtanstieg: 1397 m
Gesamtabstieg: -1187 m
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Karte: Alpenvereinskarte Bayerische Alpen BY9, Estergebirge, 1:25.000

Parken

Wir nutzen den Parkplatz der Herzogstandbahn. Dieser befindet sich am Nordrand der Ortschaft Walchensee. Dort entrichten wir eine Tagesgebühr von 5€.

Aufstieg zum Heimgarten

Wir beginnen unsere Wanderung am Parkplatz der Herzogstandbahn. In der Nähe der Talstation treffen wir auf einen Wegweiser, welcher uns zum Weg „H5“ bringt. Diesem folgen wir von Beginn an bis hinauf zum Heimgarten. So wandern wir am Sportplatz vorbei und anschließend dem Deiningbach entlang leicht bergauf durch den Wald. Später verlassen wir das Fließgewässer und kommen schließlich zu einem steilen Aufstieg, der mit Holzstufen versehen ist.

Ab jetzt wird es anstrengend, dafür wandern wir aber auf einem schmalen Pfad durch den bezaubernden Bergwald. Immer wieder können wir während des Aufstiegs durch die Bäume einen Blick über den Walchensee auf die Berge erhaschen. Dann dreht der Pfad in nördliche Richtung. Wir kommen in den Bereich des Rotwandkopfs und blicken nun erstmalig von Süden auf den Grat zwischen Heimgarten und Herzogstand. Heute Nachmittag wollen wir genau dort oben in luftiger Höhe entlang wandern. Nur etwas später schauen wir auf den Heimgarten und können uns einen Eindruck des noch verbleibenden Aufstiegs machen. In der Folge gelangen wir an eine Bergwiese und genießen vom Fuße des Heimgartens einen tollen Blick über die Ohlstädter Alm in Richtung Walchensee.

Auch wenn der Gipfel nun zum Greifen nahe scheint, ist doch noch ein anstrengender Anstieg zu bewältigen. Kurz bevor die Kinder die Hungerrevolte ausrufen, erblicken wir aber das rettende Dach der Heimgartenhütte. Eine knappe Stunde länger als ursprünglich geplant haben wir für den Aufstieg benötigt. Dieser Weg sollte auch nicht unterschätzt werden, schließlich liegen zwischen Walchensee und dem Heimgarten fast 1000m Höhenunterschied. Aufgrund der Abgeschiedenheit fragt man sich, wie die Versorgung dieser Hütte sichergestellt wird. Dafür schmecken aber jetzt Essen und Trinken umso besser. Während des Essens genießen wir den großartigen Ausblick von der Terrasse auf den Herzogstand und den Walchensee.

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Gipfel des Heimgartens, der nach wenigen Schritten erreicht ist. Von hier bietet sich ein fantastischer Rundumblick, insbesondere auf den Kochelsee, den Walchensee und den dazwischen befindlichen Herzogstand. Auch der Gratweg dorthin ist als weißer Faden erkennbar, der sich durch das Grün der Latschenkiefern schlängelt. Noch einmal durchatmen und dann treten unsere Kinder ihren ersten schwarzen Weg an.

Auf dem Grat zum Herzogstand

Vom Heimgarten bis zum Berggasthof Herzogstand wandern wir auf der Via Alpina, einem Fernwanderweg, welcher quer durch die Alpen verläuft. Zunächst folgen wir dem schmalen Pfad in ostwärtiger Richtung durch Latschenkiefern bergab. Der typisch alpine Weg hat so einiges zu bieten: Ab und an fällt auf einer Seite der Hang steil ab; dann passieren wir wieder mal eine drahtseilgesicherte Stelle; manchmal geht es über Steine und Wurzeln; auch die Hände müssen wir mal zum Kraxeln zu Hilfe nehmen. Nach einem munteren Auf und Ab wandern wir nach knapp zwei Drittel des Weges unterhalb des Schlehdorfer Kreuzes vorbei. Wer möchte, der kann nun einen Abstecher zum Gipfelkreuz unternehmen. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verzichten wir darauf und wandern weiter. Es erwarten uns noch einige landschaftlich spektakuläre Passagen, bevor wir uns an den finalen Aufstieg zum Aussichtspavillon auf dem Herzogstand machen. Am Hinweisschild des DAV ist dieser eindrucksvolle Abschnitt leider beendet.

Obwohl der Weg zumeist relativ breit und an den entscheidenden Stellen mit einem Seil gesichert ist, sollte man tunlichst die auf dem Hinweisschild geforderte alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit mitbringen. Es liegt an jedem Einzelnen, dies für sich selbst zu bewerten.

Auf dem Herzogstand

Einige Meter über uns thront der Aussichtspavillon auf dem Herzogstand. Von hier oben haben wir einen phänomenalen Blick insbesondere über den Walchensee auf die umliegende Alpenwelt. Das herrliche Blau des Sees sticht förmlich aus der Landschaft heraus. Außerdem können wir nunmehr auf den zurückliegenden Gratweg bis zum Heimgarten hinüberblicken. Da hat unser Nachwuchs schon jetzt eine ordentliche Leistung erbracht. Unter uns befindet sich noch das Gipfelkreuz des Herzogstands, welches wir natürlich auch noch besuchen, bevor wir uns an den letzten Abstieg machen.

Abstieg zur Herzogstandbahn

Im langen Zickzack wandern wir vom Gipfelkreuz des Herzogstands hinunter und direkt auf zwei grüne Hügel zu. Rechts befindet sich der Martinskopf, welcher auch bestiegen werden kann. Links befindet sich der Fahrenbergkopf, auf dessen sich die Bergstation der Herzogstandbahn befindet. Im Sattel zwischen den beiden Hügeln liegt das Berggasthaus Herzogstand. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, lassen wir aber den Abstecher und die Einkehrmöglichkeit außen vor. Unseren Kindern zuliebe haben wir noch die Hoffnung, mit der Seilbahn nach unten fahren zu können. So geht es nun strammen Schrittes bergab, am Berggasthaus vorbei und auf der anderen Seite wieder etwas bergauf. Von oben erblicken wir schließlich die Bergstation der Herzogstandbahn. Um 17:13 Uhr, also nach etwas mehr als sieben Stunden in den Wanderschuhen erreichen wir die Seilbahn. Die letzte Talfahrt legt zwei Minuten später mit uns ab. Ansonsten hätten wir weitere zwei Stunden Abstieg vor uns gehabt. So erfreuen sich nun während der Talfahrt alle Familienangehörigen des tollen Ausblicks. Mit diesen Eindrücken geht ein traumhafter Wandertag zu Ende.

Fazit

Die heutige Wanderung war sicherlich die anstrengendste, welche wir bislang mit unseren Kindern unternahmen. Die Entfernung mag nicht allzu beeindruckend klingen, die Höhenmeter waren jedoch entscheidend. Für diese Anstrengung bekommt der Wanderer jede Menge geboten. Tolle Bergwälder, die entlegene Heimgartenhütte, ein traumhafter Gratweg und ständig traumhafte Ausblicke auf Kochelsee und Walchensee. Im Bereich des Herzogstands wird der Andrang von Besuchern aufgrund der Seilbahn natürlich größer. Bis dahin trafen wir ausschließlich auf Bergwanderer. Insgesamt eine traumhafte Tour, die ich mit Nachdruck empfehlen möchte!

Meine zusammenfassende Bewertung:

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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