Wildgänse und mehr am Niederrhein

Wer hat nicht schon von ihnen gehört, den Wintergästen am Niederrhein. Ganze Heerscharen an unterschiedlichen Wildgänsen kommen Jahr für Jahr über den Winter zu Besuch aus kälteren Regionen und finden hier ihre Nahrung. Da es nicht allzu weit entfernt ist, haben NABU-Kumpel Jens und ich beschlossen, der beschaulichen Truppe eine Visite abzustatten. Dazu teilten wir den Tag in zwei Abschnitte. Um zunächst ein Gefühl für die Lage vor Ort zu bekommen, meldeten wir uns bei dem Naturfotografen Helmut Kruse zu einem halbtägigen Workshop an. Für den Nachmittag nahmen wir uns dann den Besuch des weithin bekannten Naturschutzgebietes Bislicher Insel vor. Wie sehr unser Plan aufgegangen ist, möchte ich Euch in dem folgenden Beitrag aufzeigen.

Wildgänse am Niederrhein

Das Treffen mit Helmut und den anderen Workshop-Teilnehmern sollte gegen 8 Uhr morgens in der Nähe von Kleve stattfinden. Deshalb brachen Jens und ich um 5.45 Uhr auf. Eigentlich eine humane Uhrzeit, die den immer noch recht kurzen Tagen geschuldet ist. Vor Ort angekommen trafen wir dann auf Helmut und den dritten Teilnehmer. Dann ging es auch gleich los, denn am Horizont waren schon die ersten Orangetöne der aufgehenden Sonne zu sehen. Wir haben uns nun an einem ersten Standort diesem Motiv gewidmet. Dabei sind immer wieder größere Formationen an Wildgänsen auf ihrem Weg von den Schlafplätzen in die Nahrungsgebiete über uns hinweggeflogen. Diese tollen Eindrücke wurden durch die farbliche Intensität des Sonnenaufgangs noch verstärkt.

Nachdem die Wildgänse durchgezogen waren, brachen auch wir auf. Jeweils zu zweit in einem Auto haben wir nun die Wiesen aufgesucht, auf denen die Gänse ihre tägliche Nahrung zu sich nehmen. Dabei hat Helmut uns zielsicher an verschiedene Stellen geführt. Teilweise machten wir die Aufnahmen aus dem Auto heraus, da die Tiere dieses Versteck ganz gut akzeptieren. Nach einigen verwackelten Bildern zu Beginn musste ich feststellen, dass den Motor zwingend abzustellen ist! Danach hat es ganz gut geklappt. Aufgrund der ruhigen und langsamen Flugmuster der Wildgänse eignen diese sich hervorragend für freihändige Übungen mit der Fokus-Verfolgung. Selbst mit einem 4kg schweren Supertele hat sich der Autofokus als überaus treffsicher erwiesen.

Natürlich sind wir während der ersten Hälfte des Tages nicht nur Wildgänsen begegnet. Einerseits fuhren wir gezielt den Horst eines Weißstorches (Ciconia ciconia) an, der dann auch prompt zuhause war. Andererseits durften wir als prominenten Beifang auch einen Feldhasen (Lepus europaeus) sowie jede Menge Graureiher (Ardea cinerea) inmitten der Wildgänse beobachten.

Darüberhinaus durften wir noch einen Silberreiher (Ardea alba) sowie einen Fasan (Phasianus colchicus) beobachten. Von diesen sind mir aber leider keine Bilder gelungen. Mit all diesen Beobachtungen sind die dreieinhalb Stunden wie im Flug vergangen. Der Workshop war nun vorbei und Jens und ich fortan auf uns alleine gestellt. Mit dem ersten Teil des Tages waren wir schon einmal hoch zufrieden!

Bislicher Insel

Unser nächstes Ziel, die Bislicher Insel, ist eigentlich nicht so ganz, was der Name verspricht. Damit ist der Bereich zwischen einem Teil des Altrheins und dem Rhein gemeint. Parallel zum Rhein führt eine Straße durch die Bislicher Insel. Diese Straße führt direkt zum Informationszentrum. Das war dann auch unser erster Anlaufpunkt.

Bis zur Bislicher Insel hatten wir nun erst einmal fast 40km zu fahren. Das ist aber nicht weiter schlimm, schließlich liegt diese Strecke nahezu auf unserem Heimweg. Kaum waren wir auf der Bislicher Insel angekommen, trafen wir entlang der Straße auch schon auf die ersten grasenden Wildgänse. Hier gab es auch die ersten Weißwangengänse (Branta leucopsis) des Tages zu sehen.

Entlang des Weges durften wir dann noch weitere, ornithologisch interessante Beobachtungen machen. So haben wir einige Zeit mit einem illustren Trupp von Feldsperlingen (Passer montanus) in einem Weißdornstrauch verbracht. Auch ein Turmfalke (Falco tinnunculus) sowie ein Mäusebussard (Buteo buteo) ließen sich in aller Ruhe von uns beobachten.

Im Informationszentrum holten wir uns von einer sehr freundlichen und engagierten Angestellten die letzten Hinweise zu den drei Beobachtungshütten. Um dorthin zu gelangen ist ein kleiner Fußmarsch von Nöten. Die drei Hütten liegen entlang des Weges. Aus den ersten beiden Hütten hat sich keine Situation ergeben, die ich unbedingt festhalten wollte. Also brachen wir nach einem kurzen Beobachtungshalt wieder auf.

Die dritte Hütte markiert zugleich auch das Ende des Weges. Wir sind nun am südlichsten Punkt des begehbaren Bereichs der Bislicher Insel angekommen. Von hier aus bietet sich uns ein Blick auf die Kormoran-Kolonie (Phalacrocorax carbo). Auch ein einzelner Kormoran fällt mir auf, der im Baum sitzend die letzten Sonnensrahlen des Tages genießt. Unser Wunsch, die in das Schlafgebiet einfliegenden Wildgänse von hier aus ablichten zu können, hat sich leider nicht erfüllt. Nachdem sich lange Zeit keine Wildgans zeigte, brachen wir wieder auf.

Auf dem Rückweg machen wir noch einmal Halt in einer der vorderen Beobachtungshütten. In der Zwischenzeit hat sich eine meines Erachtens nach fotogene Situation ergeben. Der Mond strählt über dem Gewässer und wirft seine Spiegelung auf die Wasseroberfläche. Ich wähle bewußt eine lange Belichtungszeit, damit die Bewegungen des Wassers herausgefiltert werden.

Auf der Bislicher Insel
Über der Bislicher Insel hat die Nacht Einzug gehalten

Das sollte dann auch das letzte Bild des Tages sein. Inzwischen sind wir auch etwas durchgefroren und wandern hoch zufrieden zurück zum Auto.

Fazit

Der heutige Tag stand unter dem Motto Naturfotografie – from dawn till dusk, vom Sonnenaufgang bis zum Mondlicht. Was war da nicht alles dabei. Zuerst hat uns Helmut zielsicher an tolle Stellen geführt, die wir nun in den kommenden Jahren auf eigene Faust besuchen können. Auf der Bislicher Insel schließlich konnten wir noch weitere Arten beobachten. Schon entlang der Straße gibt es unglaublich viel zu entdecken. Ein fantastisches Erlebnis, ich freue mich schon auf unseren nächsten Ausflug an den Niederrhein!

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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