Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4 (15,4km)

Die Allgäuer Steinbock-Tour ist eine mehrtägige Hütten-Rundwanderung, bei welcher die Allgäuer Alpen von Oberstdorf ausgehend durchquert werden. Der Name deutet schon darauf hin, dass während der Tour eine hohe Chance besteht, den König der Alpen zu Gesicht zu bekommen. Die komplette Wanderung verläuft in groben Zügen von der Talstation der Fellhornbahn in Oberstdorf über die Fiderepasshütte, die Mindelheimer Hütte, die Rappenseehütte zur Kemptner Hütte und dann wieder zurück nach Oberstdorf. Optional kann zwischen der Rappenseehütte und der Kemptner Hütte eine weitere Nacht im Waltenberger Haus eingelegt werden. Ebenso ist natürlich eine Verlängerung der Steinbock-Tour über die Kemptner Hütte hinaus möglich. Anhand der zur Verfügung stehenden Unterkünfte kann diese Wanderung damit in begrenztem Umfang individuell zusammengestellt werden. Wir haben beschlossen die komplette Route in vier Tagen zu absolvieren:

Tagesplanung

Mit den vergangenen Tagen in den Knochen, entscheiden wir uns nach einigem Hin und Her gegen eine Erweiterung der geplanten Tour. Unsere Alternative wäre eine mit zehn bis elf Stunden angegebene Tagesetappe mit Kraxeleien zum Edmund-Probst-Haus gewesen. Landschaftlich sicherlich mehr als zeizvoll, aber unter den derzeitigen Umständen für uns etwas zu viel.

Daher steht am letzten Tag der Steinbock-Tour der für drei Stunden angesetzte Abstieg durch den Sperrbachtobel nach Spielmannsau auf dem Programm. Als Puristen verzichten wir anschließend auf die hier angebotenen Beförderungsmittel und reisen auf Schusters Rappen zurück zu unserem Auto. Für die Strecke über die Schlosswies bis zum Parkplatz der Fellhornbahn-Talstation im Stillachtal planen wir auch noch einmal drei Stunden ein.

Übersichtskarte

Gesamtstrecke: 15443 m
Maximale Höhe: 1889 m
Minimale Höhe: 882 m
Gesamtanstieg: 587 m
Gesamtabstieg: -1516 m
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Auf der Kemptner Hütte

Überraschenderweise verlief die Nacht im großen Lager sehr ruhig. Wieder einmal weilte kein nächtlicher Störer unter uns. Außerdem war es ein Segen, dass wir im Dachgeschoss untergebracht waren. Der Hitze, die sich den Tag über im Raum angereichert hat, wurde durch das Öffnen der Fenster der Garaus gemacht. Damit hatten wir die Nacht über immer ein laues Lüftchen sowie eine wohltemperierte Umgebung um uns herum.

Trotz der vielen Übernachtungsgäste läuft am Morgen alles wie am Schnürchen. Die Abläufe in der Hütte sind perfekt eingespielt, so dass nahezu keine Wartezeiten entstehen. Das Frühstück ist aus einer ansprechenden Auswahl schnell zusammengestellt. Kurze Zeit später brechen wir auf. Mit uns geht, als treuer Begleiter, die Wehmut. Denn wer weiß, wie lange wir wieder auf solche großartigen Bergerlebnisse werden warten müssen.

Am Sperrbach entlang

Kurz vor 07:30 Uhr verlassen wir die Kemptner Hütte. Erstaunlicherweise ist auch vor der Hütte wenig Betrieb. Recht ruhig liegt sie noch im Schatten, die Strahlen der aufgehenden Sonne haben sie noch nicht erreicht.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Wir beginnen den Abstieg an der Kemptner Hütte

Wir wenden unseren Blick ab von der Kemptner Hütte und drehen uns um. Dort wird der Kratzer von der aufgehenden Sonne angestrahlt. Diesen Berg haben wir gestern auf seiner Südseite umgangen.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Der Gipfel des Kratzers erhascht die ersten Sonnenstrahlen

Nach diesen ersten Eindrücken und einer gehörigen Portion frischer Alpenluft in den Lungen machen wir uns nun auf den Weg nach unten. Gleich zu Beginn beschreibt der Weg einen großen Halbkreis. Daher taucht die Kemptner Hütte für aufsteigende Wanderer auch recht überraschend auf. Man schaut beim Wandern eben doch allzu oft geradeaus.

Ungefähr in der Mitte dieses Halbkreises treffen wir dann auch auf den Sperrbach. Dieses noch kleine Rinnsal wird uns ein Stück des nun folgenden Weges begleiten.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Hier oben ist der Sperrbach noch ein kleines Rinnsal

Hier oben umgeben den Bachlauf saftig grüne Almwiesen. Nur etwas weiter des Weges ist das Tal deutlich enger eingeschnitten und steiniger. Dort gesellt sich zum ohnehin romantischen noch der wilde Anteil des Sperrbachtobels.

Nun hab ich zwar studieret, durchaus mit Bemühn. Dennoch kann ich Euch nicht sagen, ob es der oder das Tobel ist. Der Duden gibt beide Möglichkeiten her, was ja auch ein wenig dem Zeitgeist der Rechtschreibung entspricht. Vermutlich handelt es sich um regional angewandte Grammatik. Bis ein findiger Linguist oder Hobby-Germanist korrigierend eingreift, werde ich einfach bei der männlichen Variante bleiben!

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Im Verlauf des Sperrbachs beginnt der Sperrbachtobel

Das zunächst kleine Rinnsal des Sperrbachs wächst mehr und mehr an. Dazu tragen mehrere Zuflüsse bei, die von weit oben in das Tal herunterkommen und hier unseren Weg kreuzen. Zumindest dieses Jahr bleiben an diesen Stellen die Füsse aber dennoch trocken.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Auf seinem Weg wird der Sperrbach wird von mehreren Quellen gespeist

Nun sind wir mittendrin im Sperrbachtobel. Die saftigen Wiesen sind einer attraktiven Felsenlandschaft gewichen. Der Weg ist zwar am Hang gelegen, aber breit genug. Immer wieder kreuzt ein Bächlein und macht den Weg ein wenig rutschig. Diese Stellen sind dann aber mit Drahtseil gesichtert. Über dem Sperrbach finden sich auch Ende Juli noch einige verbliebene Schneedächer. Ganz sauber sind die um diese Jahreszeit natürlich nicht mehr. Dennoch bieten sie einen tollen Anblick.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Im Sperrbachtobel treffen wir noch auf mehrere Schneereste

Auf der gegenüberliegenden Seite lassen sich sehr schön anhand des Verlaufs der geologischen Schichten beobachten, wie diese Berge einst nach oben geschoben wurden. Ein passionierter Geologe könnte hier vermutlich Stunden verweilen.

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Über dem Sperrbach finden sich tolle Gesteinsformationen

Dieser wunderschöne Abschnitt des Sperrbachtobels ist leider viel zu schnell beendet. Das Tal weitet sich und macht wieder Platz für Wiesen und Stauden. Der Weg entfernt sich für kurze Zeit einige Meter vom Sperrbach.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Das Tal um den Sperrbach herum weitet sich

Wir wandern weiter bergab und gelangen so auf die Höhe des Sperrbachs. Diesen überqueren wir das erste Mal mittels einer recht neu wirkenden Holzbrücke.

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Wir überqueren den Sperrbach das erste Mal

Auf der anderen Seite angekommen geht es wieder ein wenig bergauf. Dieser Abschnitt wird in der Wanderkarte als „Am Knie“ bezeichnet. Rechts des Weges steht auf einer kleinen Anhöhe eine Kapelle inmitten einer wunderschönen Kulisse. Diese wird sinnigerweise als Kapelle am Knie tituliert.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Auf einer kleinen Anhöhe steht die Kapelle am Knie

Danach tauchen wir mehr und mehr in bewaldetes Gebiet ab. Ein Warnschild weist den Wanderer auf die Gefahr von Steinschlag hin und mahnt zum zügigen Weitergehen. Das tun wir natürlich auch und erreichen etwas weiter unten die zweite Brücke über den Sperrbach. Diese wirkt ein wenig wie ein Provisorium, hält uns und das mitgeführte Gepäck aber locker aus.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Über eine Behelfsbrücke überqueren wir den Sperrbach zum zweiten Mal

Nur wenige Schritte talwärts beendet der Sperrbach seine kurze Reise und ergibt sich in die Trettach. Diese begleitet uns fortan auf unserem Weg.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
An dieser Stelle fließt der Sperrbach in die Trettach

Mit der Trettach bis Spielmannsau

Wir wandern nun immer etwas oberhalb der Trettach. Durch den Wald links und rechts des Weges verlieren wir das Flüsslein immer wieder aus den Augen. An einer Stelle ergibt sich aber ein freier Blick zurück, das Trettachtal entlang. Dem Tal vor dem Berg im Mittelgrund nach links folgend ist der Verlauf des Sperrbachs zu erkennen.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Ein Blick zurück, das Trettachtal entlang

So erreichen wir die Talstation der Materialseilbahn der Kemptner Hütte. Dort folgen wir dem Wanderpfad nach links und passieren eine Weide. Die gemütlichen Wiederkäuer interessieren sich nicht wirklich für uns.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Noch einmal passieren wir weidende Wiederkäuer

Dieser Wanderpfad führt weiter unten mit dem asphaltierten Weg zusammen. Weiter vorne zeichnen sich schon die ersten Gebäude entlang des Weges ab. Dies ist die toll gelegene und bewirtschaftete Alpe Oberau.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Gleich haben wir die Alpe Oberau erreicht

Da wir ganz gut in der Zeit sind, kehren wir erst einmal ein und genießen in gemütlicher Atmosphäre jeweils ein Stück des leckeren selbstgemachten Kuchens. Währenddessen blicken wir das Trettachtal entlang zurück auf die Allgäuer Bergwelt. Gestern waren wir noch dort oben, jetzt sind wir schon wieder so weit entfernt. Bei dem Gedanken bricht die Wehmut durch. Meine Mädels würden jetzt sagen: „Ich wünschte, wir würden hier wohnen!“.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Von der Alpe Oberau blicken wir wehmütig zurück auf die herrliche Allgäuer Bergwelt

Nach dieser kleinen Stärkung geht es weiter, vorbei an der Wegkapelle. Dahinter sind schon die Häuser von Spielmannsau zu erkennen. Ab hier gibt es mehrere Möglichkeiten nach Oberstdorf zu gelangen. Es gibt zum einen den Wanderbus der Bergsteigerlinie. Eine andere Möglichkeit ist der Taxiservice, der entlang des Weges angeboten wird. Dazu ist die Klingel an dem unten abgebildeten Baumstamm zu betätigen.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
In Spielmannsau gibt es eine Bushaltestelle und einen Taxi-Service

Wir, genauer gesagt ich, sind aber Puristen. Ein Rundweg ist eben nur dann ein Rundweg, wenn die Runde zu Fuss geschlossen wird. Deshalb wandern wir per pedes zurück zum Parkplatz an der Talstation der Fellhornbahn. Ach ja, trotz Einkehr sind wir voll im Zeitplan 😉

Zurück zum Parkplatz

Dazu wandern wir auf dem asphaltierten Weg weiter durch Spielmannsau. Nachdem wir auf diesem Weg die Trettach überquert haben, biegen wir nach links ab. Etwas später passieren wir den Christlessee. Von hier oben zeigt der See eine tolle Färbung.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Von leicht erhöhter Position bewundern wir die Farbe des Christlessees

Entlang des Radweges nach Oberstdorf betreten wir jetzt ein Waldstück, das wir nach einiger Zeit wieder verlassen.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Bis zum Golfplatz folgen wir dem asphaltierten Weg

Der Strasse folgen wir bis zum Golfplatz. Dort biegt ein geschotterter Weg nach links ab. In voller Sonne wandern wir nun wieder ein Stück bergauf.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Wir verlassen das Trettachtal und wandern hinüber ins Stillachtal

Wir wandern nun etwas oberhalb des Oberstdorfer Langlaufstadions. Wer genau hinsieht, der erkennt die dazu gehörige Holzbrücke.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Unter uns liegt das Langlaufstadion von Oberstdorf

So erreichen wir die Schlosswies, die wir überqueren. An deren Ende findet sich oberhalb des Weges eine sehr schöne Hütte.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Auf der Schlosswies steht diese nostalgische Hütte

Auf der anderen Seite der Schlosswies geht es wieder in den Wald hinein. Auf einem schmalen Waldpfad geht es nun hinunter ins Stillachtal. Dabei erkennen wir durch die Bäume hindurch Elemente der Oberstdorfer Skiflugschanze.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Beim Abstieg ins Stillachtal erkennen wir die Oberstdorfer Skiflugschanze

Schließlich kommen wir an die Strasse nach Faistenoy. Diese überqueren wir und folgen nun dem geschotterten Rad- und Wanderweg direkt neben der Stillach.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Nun haben wir die Stillach erreicht

Nachdem wir zunächst etwas abseits der Strasse wandern konnten, kommen wir etwas später genau dorthin. Der Wanderweg verläuft dann ein ganzes Stück direkt neben der Strasse. Auf die Skiflugschanze haben wir vom Weg aus leider keine freie Sicht.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Das letzte Stück wandern wir direkt an der Straße nach Faistenoy entlang

So wandern wir ein gutes Stück der Straße entlang. Am Horizont haben wir einige Gipfel der Allgäuer Alpen fest im Blick. Als wir schließlich am Auto ankommen, sind wir dann doch auch etwas froh. Es ist jetzt 12:30 Uhr und unser Magen gibt laute Geräusche von sich.

Allgäuer Steinbock-Tour Tag 4
Von der Brücke des Parkplatz werfen wir einen letzten Blick voller Sehnsucht zurück

Wir werfen also unser Gepäck ins Auto und beschließen, die letzten Tage bei einem Mittagessen Revue passieren zu lassen. Dazu kehren wir in das Restaurant direkt neben der Talstation der Fellhornbahn ein. Bestellt wird ein mit Bergkäse, Frühlingszwiebeln und Kirschtomaten überbackenes Schnitzel. Und das ist genau das Richtige! Das ist sicherlich das zweite kulinarische Highlight nach der Fiderepasshütte. So klingen unsere vier Tage durch die Allgäuer Alpen so schmackhaft aus, wie sie angefangen haben.

Fazit

Auch heute haben wir einen wunderschönen Weg erlebt. Das eindeutige Highlight war der wild-romantische Sperrbachtobel. Sehr schön gelegen ist auch die Kapelle am Knie und die Einkehr in der Alpe Oberau ist sehr empfehlenswert. Sicherlich kann der heutige Tag nicht ganz mit den vorigen Tagen mithalten. Dennoch durften wir sehr unterschiedliche Landschaften erleben und genießen. Ob man, wie wir, von Spielmannsau zu Fuss zur Talstation der Fellhornbahn zurück wandert, muss jeder selbst entscheiden. Dabei sind schon weite Strecken auf oder neben Asphalt zu bewältigen. Ich würde es dennoch wieder tun!

Meine zusammenfassende Bewertung:

Gesamtfazit

Was für eine unglaubliche Wanderung! Ich bin mir sicher, dass die Erlebnisse über Jahre hinweg für Gespräche und Erinnerungen im Familienrahmen führen werden. Es war recht anstrengend, aber eigentlich immer wunderschön! Die Schlüsselstelle ist der Heilbronner Weg. Jeder muss ehrlich für sich bewerten, ob er/sie sich diesen Anteil zutraut. Kommen wir also zur zentralen Frage: Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

  • Spiele: Obwohl auf den Hütten eigentlich immer ein paar Spiele verfügbar waren, würde ich tatsächlich ein oder zwei kleine Reisespiele (z.B. Kniffel) mitnehmen.
  • Literatur: Teilweise waren wir recht früh auf den Hütten und haben aus Rücksicht auf die Folgetage von hier aus keine weiteren Gipfel erklommen. Daher hatten wir recht viel Zeit zur Verfügung, weswegen ich doch eine „leichte Lektüre“ mitführen würde.
  • Gepäck: Meine Fotoausrüstung hat fast 5kg gewogen. Damit habe ich viel zu viel Gewicht auf dem Rücken gehabt. Dies gilt es in Zukunft zu minimieren. Ich suche nach Lösungen.

Wer sich den Heilbronner Weg zutraut, dem kann ich nur raten: Mach es!

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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