Allgäuer Steinbock-Tour Tag 2 (10,2km)

Die Allgäuer Steinbock-Tour ist eine mehrtägige Hütten-Rundwanderung, bei welcher die Allgäuer Alpen von Oberstdorf ausgehend durchquert werden. Der Name deutet schon darauf hin, dass während der Tour eine hohe Chance besteht, den König der Alpen zu Gesicht zu bekommen. Die komplette Wanderung verläuft in groben Zügen von der Talstation der Fellhornbahn in Oberstdorf über die Fiderepasshütte, die Mindelheimer Hütte, die Rappenseehütte zur Kemptner Hütte und dann wieder zurück nach Oberstdorf. Optional kann zwischen der Rappenseehütte und der Kemptner Hütte eine weitere Nacht im Waltenberger Haus eingelegt werden. Ebenso ist natürlich eine Verlängerung der Steinbock-Tour über die Kemptner Hütte hinaus möglich. Anhand der zur Verfügung stehenden Unterkünfte kann diese Wanderung damit in begrenztem Umfang individuell zusammengestellt werden. Wir haben beschlossen die komplette Route in vier Tagen zu absolvieren:

Tagesplanung

Am zweiten Tag der Steinbock-Tour möchten wir über den Schrofenpass und den Mutzentobel zur Rappenseehütte weiterwandern. Nach offizieller Lesart benötigen wir dazu ca. sechs Stunden. Es reicht also, wenn wir in aller Ruhe aufstehen und gegen 8 Uhr aufbrechen. Damit dürften wir dann gegen 14 Uhr auf der Rappenseehütte ankommen.

Übersichtskarte

Die zurückgelegten 10,2km könnt Ihr der folgenden Karte entnehmen. Gemäß Logger haben wir heute einen Gesamtanstieg von 930m bewältigt.

Gesamtstrecke: 10157 m
Maximale Höhe: 2146 m
Minimale Höhe: 1571 m
Gesamtanstieg: 927 m
Gesamtabstieg: -848 m
Download file: 20180724-Steinbock-Tour-2.gpx

Auf der Mindelheimer Hütte

Keiner der zwölf Schläfer im Zimmer hat geschnarcht, augenscheinlich auch ich nicht. Angesichts des Gerstensaft-Genusses vom Vortag darf dies schon überraschen! Nach der Körperhygiene genehmigen wir uns voller Vorfreude auf den heutigen Tag ein leckeres, sättigendes Bircher Müsli und eine Tasse Kaffee als Frühstück. Gerne kommen wir auch auf das vom Hütten-Team angebotene Lunch-Paket zurück, da auf dem Weg keine Einkehrmöglichkeit besteht. Derart gestärkt treten wir kurz vor 8 Uhr die Tagesetappe an.

Abstieg in das Rappenalptal

Abwärts soll es gehen. Zunächst zumindest. Und das bei strahlendem Sonnenschein. Alle Wolken des Vortages sind restlos verschwunden. Nach ein paar tiefen Atemzügen geht es los.

Schon zu Beginn des Tages sind alle Wolken restlos verschwunden
Schon zu Beginn des Tages sind alle Wolken restlos verschwunden

Im Gegensatz zu gestern haben wir heute eine fantastische Sicht. Auf dem Weg nach unten überqueren wir ein kleines Gebirgsbächlein.

Während des Abstiegs durchqueren wir das Bachbett eines Rinnsals
Während des Abstiegs durchqueren wir das Bachbett eines Rinnsals

Kurze Zeit später schauen wir wieder auf den im Schatten gelegenen Gegenhang. Dort ist als dünne, helle Spur bereits der Schrofenpass zu sehen. Dies ist unser erstes Zwischenziel.

Frühzeitig erblicken wir den Schrofenpass am Hang gegenüber
Frühzeitig erblicken wir den Schrofenpass am Hang gegenüber

Der Regen der letzten Tage hat den Weg im folgenden Abschnitt sehr matschig gemacht. Recht schnell ist das Profil der Wanderschuhe ausgefüllt mit Schmodder. Zeitweise habe ich den Eindruck, als stünde ich auf Schlittschuhen. Plötzlich rutsche ich inmitten des Matsches aus und verdrehe das linke Bein. Glücklicherweise gibt es keine bleibenden körperlichen Beeinträchtigungen. Dafür trage ich seither einen riesigen braunen Schmodderfleck auf meinem linken Hosenboden mit mir herum.

Diesen Abschnitt haben wir recht schnell hinter uns gebracht. Von oben schauen wir nun schon auf das Speichereck. Etwas später stehen wir dann hier, am tiefsten Punkt des heutigen Tages und schauen das Rappenalptal entlang. Das Speichereck ist für uns auch ein Wendepunkt. Ab hier wandern wir wieder in die entgegengesetzte Richtung, allerdings auf der anderen Seite des Rappenalptales.

Vom Speichereck aus schauen wir das Rappenalptal entlang
Vom Speichereck aus schauen wir das Rappenalptal entlang

Hier beginnt auch eine Passage, die als schwierige Tragestrecke in der Wanderkarte vermerkt ist. Was das bedeutet, konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Dann erblicken wir wenige Meter vor uns einen verwegenen Mountainbiker, der sich tatsächlich bergauf mit seinem Rad von uns entfernt.

Aufstieg durch den Schrofenpass

Wir folgen dem Weg vom Speichereck bergauf. So gelangen wir automatisch an den Einstieg des Schrofenpasses. Schon der erste Eindruck ist fantastisch!

Der Einstieg zum Schrofenpass
Der Einstieg zum Schrofenpass

Gleich zu Beginn werden auch die Mountainbiker darauf hingewiesen, dass das Rad fortan besser links getragen werden sollte.

Am Anfang des Schrofenpass gibt es einen wichtigen Hinweis für Mountainbiker
Am Anfang des Schrofenpass gibt es einen wichtigen Hinweis für Mountainbiker

Teilweise fällt der Hang zu unserer Linken recht steil ab. Das ist aber weniger problematisch, da der Weg relativ breit ist. Zur Sicherung sind insgesamt drei Brücken im Schrofenpass verbaut.

Die erste Brücke im Schrofenpass
Die erste Brücke im Schrofenpass

Auch die zweite Brücke ist unproblematisch. Die Landschaft um uns herum ist absolut überwältigend.

Wir überqueren die zweite Brücke
Wir überqueren die zweite Brücke

Die dritte und letzte Brücke ist zusätzlich mit einem Drahtseil gesichert. Der Weg ist nun zwar etwas enger, stellt aber auch keine größere Herausforderung dar. Hier kommt uns von oben ein Mountainbiker entgegen. Ich scherze: „Warum schiebst Du denn Dein Rad?“. Er antwortet: „Das ist mir hier zu flach!“. Die Menschen in den Bergen sind so herrlich entspannt und immer für einen Spaß zu haben!

Die dritte und letzte Brücke im Schrofenpass
Die dritte und letzte Brücke im Schrofenpass

Vom Schrofenpass haben wir einen wunderschönen Blick auf die Gegenseite. Auf diesem Weg sind wir von der Mindelheimer Hütte über die grünen Alpenwiesen abgestiegen. Mit einem Blick können wir so den Abschnitt bis zum Speichereck erfassen.

Am Hang gegenüber erblicken wir den Abstieg von der Mindelheimer Hütte
Am Hang gegenüber erblicken wir den Abstieg von der Mindelheimer Hütte

Dann haben wir den Schrofenpass endgültig bewältigt und erreichen eine Rastmöglichkeit mit Bank. Den nutzen wir auch für eine kleine Verschnaufpause.

An diesem Örtchen haben wir den Schrofenpass bewältigt
An diesem Örtchen haben wir den Schrofenpass bewältigt

Insgesamt sollte man für den Schrofenpass schon trittsicher und schwindelfrei sein. Dafür bekommt der Wanderer aber auch eine wunderschöne Umgebung geboten.

Panoramaweg zum Mutzentobel

Bis zum Mutzentobel geht es nun ein ganzes Stück relativ eben weiter. Wir queren dabei einen Hang, der im Rot der blühenden Alpenrosen erstrahlt.

Entlang des Weges passieren einen Hang voller blühender Alpenrosen
Entlang des Weges passieren einen Hang voller blühender Alpenrosen

Wir wandern nun auf einem schmalen, von Latschenkiefern gesäumten Bergpfad.

Wir folgen einem wunderschönen Bergpfad
Wir folgen einem wunderschönen Bergpfad

Später überqueren wir ein kleines Rinnsal, den Bürgerbach. Von etwas weiter oben schauen wir das Tal entlang auf die sehr nahe gelegene österreichische Bergwelt.

Über eine Alm schweift unser Blick auf die Bergwelt im nahen Österreich
Über eine Alm schweift unser Blick auf die Bergwelt im nahen Österreich

Der Weg verläuft jetzt wieder an einem sanft abfallenden Hang entlang. In der Ferne kann man jetzt schon den markanten Hang oberhalb des Mutzentobels erkennen.

Am Hang entlang wandern wir in Richtung Mutzentobel
Am Hang entlang wandern wir in Richtung Mutzentobel

So erreichen wir die Obere Biberalpe. Die flache Hütte ist wunderbar in die herrliche Umgebung eingepasst. Davor sind einzelne Exemplare des, aus botanischer Sicht problematischen, Alpen-Ampfers (Rumex alpinus) zu sehen.

Wir passieren die Obere Biberalpe
Wir passieren die Obere Biberalpe

Zu unserer Linken sehen wir nun auch die Mindelheimer Hütte und den Krumbacher Höhenweg, auf welchem wir gestern gewandert sind. Ein toller Anblick!

Auf der Gegenseite liegen die Mindelheimer Hütte und der Krumbacher Höhenweg
Auf der Gegenseite liegen die Mindelheimer Hütte und der Krumbacher Höhenweg

Mehrere Male passieren wir heute auf unserem Weg auch Geröllfelder. Ein Letztes durchqueren wir kurz vor dem Mutzenbachtobel.

Auch das ein oder andere Geröllfeld durchqueren wir
Auch das ein oder andere Geröllfeld durchqueren wir

Dann steht das zweite Highlight des heutigen Tages bevor.

Durch den Mutzentobel

Nun stehen wir vor dem imposanten Hang, der den Mutzentobel einschließt. Zwischen saftig-grünen Wiesenmatten sticht das tiefgraue Gestein hervor. Schon von hier ist dies ein fantastischer Blick.

Hier geht es hinein in den Mutzentobel
Hier geht es hinein in den Mutzentobel

Nun geht es hinein. Dazu wandern wir zunächst auf der Schattenseite bergab. Links fällt der Hang steil in den Tobel ab. Bergseitig ist dieser Abschnitt mit einem Drahtseil gesichert. So gelangen wir recht schnell in das Zentrum des Mutzentobels.

Unten angekommen schauen wir durch die Schlucht  des Mutzentobels
Unten angekommen schauen wir durch die Schlucht des Mutzentobels

Ab jetzt kommen wir auf die von der Sonne beschienenen Seite des Mutzentobels. Wir folgen nun einem schmalen Pfad auf der Gegenseite. Dieser Abschnitt ist nur punktuell an exponierten Stellen gesichert.

Ein schmaler Weg führt uns auf der Gegenseite durch den Mutzentobel
Ein schmaler Weg führt uns auf der Gegenseite durch den Mutzentobel

An einer Stelle hätte ich mir eine weitere Sicherung gewünscht. Dort war der schmale Weg recht schräg und am Berg keine Möglichkeit zum Festhalten. Glücklicherweise haben die letzten Regentage den Weg nicht rutschig gemacht. Bei richtigen Sauwetter ist der Weg durch den Mutzentobel aber sicherlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Dann dürfte auch deutlich mehr Wasser im Tobel sein, als in diesem regenarmen Sommer.

Wir werfen noch einen Blick zurück in die Schlucht des Mutzentobels
Wir werfen noch einen Blick zurück in die Schlucht des Mutzentobels

Dann haben wir es geschafft und werfen einen letzten Blick auf die wild-romantische Landschafts im Mutzentobel. Einen wunderschönen Abschnitt haben wir hiermit passiert und begeben und nun auf die Zielgerade.

Aufstieg zur Rappenseehütte

Gleich am Ausgang des Mutzentobels steht eine kleine Scheune, die Schafalpe. Diese passieren wir und folgen weiter dem Weg in Richtung Rappenseehütte.

Die Schafalpe steht mitten im Alpen-Ampfer
Die Schafalpe steht mitten im Alpen-Ampfer

Nun geht es weniger aufregend weiter. Schließlich gelangen wir an den Seebach, der unseren Weg kreuzt. An seinem Ufer lassen wir uns nieder und genehmigen uns eine kleine Pause. Da bricht plötzlich auf der anderen Uferseite ein Murmeltier aus der Vegetation. Vermutlich wollte es sich an dem kühlen Nass erfreuen. Als es uns wahrnimmt, ändert es sein vermutetes Vorhaben. Es kehrt um und wackelt entlang des Wanderweges langsam davon. Leider konnte ich von dieser kurzen Begegnung kein Beweisfoto machen.

Wir überqueren den Seebach
Wir überqueren den Seebach

Ab hier geht es auch wieder deutlich bergauf. Ein Zeichen dafür, dass wir der Rappenseehütte schon sehr nahe gekommen sind. Von etwas weiter oben bietet sich uns ein toller Blick nach Norden, über die Dächer von Oberstdorf hinweg.

Nach Norden schauen wir über Oberstdorf hinweg
Nach Norden schauen wir über Oberstdorf hinweg

Es ist jetzt nicht mehr weit bis zur Rappenseehütte. Dafür ist es umso mühsamer. In der vollen Sonne öffnet der Körper seine Poren und lässt den Schweiß laufen. Über mehrere Stufen geht es in Serpentinen den letzten Anstieg bergauf.

Zuletzt sind noch einige Stufen zu bewältigen
Zuletzt sind noch einige Stufen zu bewältigen

Dann treten wir über eine Kante und stehen nur wenige Meter von der Rappenseehütte entfernt. Es ist kurz vor 14 Uhr. Glücklich und zufrieden mit der Tagesleistung und der Zeitplanung treten wir in die Hütte ein.

Auf der Rappenseehütte

Gleich am Eingang der Rappenseehütte treffen wir auf eine kleine Schlange an der Rezeption. Zufälligerweise kommen wir gerade rechtzeitig zur ersten Quartiervergabe des Tages. Diese ist um 14 Uhr und dann zu jeder weiteren vollen Stunde wieder. Nach kurzer Wartezeit sind wir an der Reihe. Wir stehen dem Hüttenwirt gegenüber, der mit freundlichem Antlitz fragt: „Lager oder Bett?“. Wir können unser Glück kaum glauben und entscheiden uns natürlich ohne langes Nachdenken für das Vierbettzimmer, das nur einen kleinen Aufpreis kostet. Dazu erwerben wir gleich die erforderlichen Duschmünzen. Daraufhin beziehen wir die Unterkunft und genehmigen uns eine Dusche.

Recht früh am Tag beginnt für uns also der gemütliche und gesellige Anteil. Hieraus ergibt sich eine Lehre für die nächste Hüttenwanderung. Wir haben weder Reisespiele, noch Lesematerial im Rucksack. Je nach Ausstattung der Hütte findet sich das ein oder andere auch hier. Ich werde aber für die nächste Hüttenwanderung eine „leichte“ Lektüre mitführen. Stattdessen beginnen wir heute eben etwas früher mit kühlem Gerstensaft und greifen auf den Lesestoff der Rappenseehütte zurück. Damit bereiten wir uns auf den kommenden Tag vor.

Lange können wir in der Sonne auf der Terrasse sitzen bleiben. Wir treffen nun auch auf einige Wanderer, mit denen wir im Laufe des gestrigen Tages Bekanntschaft geschlossen haben. Man tauscht sich aus, isst, trinkt, lacht und kniffelt zusammen. So verläuft auch dieser Abend sehr kurzweilig. Fast hätten wir den Sonnenuntergang verpasst. Im letzten Moment gehen wir nach draußen und genießen für ein paar Minuten das tolle Licht der über den Allgäuer Alpen untergehenden Sonne.

Die Hochgundspitze und der Rappenseekopf im Licht der untergehenden Sonne
Die Hochgundspitze und der Rappenseekopf im Licht der untergehenden Sonne
Bergkette mit Krumbacher Höhenweg im Licht der untergehenden Sonne
Bergkette mit Krumbacher Höhenweg im Licht der untergehenden Sonne

Ein wunderschöner Tag neigt sich dem Ende und wir wandern ein letztes Mal und zwar ins Bett. Dabei begleitet uns eine leichte Aufregung. Was mag wohl die Königsetappe der Allgäuer Steinbock-Tour, der Heilbronner Weg, mit sich bringen?

Fazit

Was ein fantastischer Tag! Sowohl die Allgäuer Alpen, als auch das Wetter zeigten sich von der besten Seite. Die Rutschpartie zu Beginn des Tages ist schnell vergessen. Voll Begeisterung erleben wir die atemberaubende Kulisse des Schrofenpasses und des Mutzentobels. Den gesamten Tag über begleiten uns fantastische Eindrücke dieser tollen Alpenlandschaft. Einen Steinbock sehen wir heute zwar nicht, dafür ein Murmeltier. Auch auf der Rappenseehütte verbringen wir einen sehr schönen Abend im Kreise sympathischer Menschen. Was kann es Schöneres geben?

Meine zusammenfassende Bewertung:

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.