Nachwuchs der Wasseramsel an der Ahr

Als ich Anfang Mai an der Ahr in meinem Tarnzelt saß, war dort noch alles wie zuvor. In aller Ruhe erwachte die Wasseramsel (Cinclus cinclus), setzte sich auf ihren Lieblingsstein und begann gemächlich mit dem Morgenritual. Alles in allem schien alles noch sehr ruhig und geordnet von sich zu gehen.

Neue Bilder gelangen mir aufgrund meiner Zeltplatzwahl kaum. Dafür konnte ich das Verhalten von Wasseramsel und Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) über mehrere Stunden hinweg studieren, insbesondere hinsichtlich der regelmäßig genutzten Ansitzsteine. Auf dieser Grundlage schmiedete ich meinen Plan für den Folgebesuch.

Mai bei der Wasseramsel

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) singt

Beim heutigen Besuch, also zweieinhalb Wochen später, konnte ich vom neuen Ort aus lange Zeit nichts beobachten. Wo vor wenigen Tagen Wasseramseln und Gebirgsstelzen in Jubel, Trubel und Heiterkeit umhersprangen, war heute schlichtweg nichts zu sehen. Als ich schon fast wieder enttäuscht einpacken wollte, nahm ich auf der anderen Uferseite eine Bewegung wahr. Bei näherer Betrachtung hatte ich aus dem Nichts ein Jungtier der Wasseramsel vor die Linse bekommen!

Nachwuchs bei der Wasseramsel an der Ahr

Die gerade flügge gewordene Wasseramsel (Cinclus cinclus) erkundet die neue Umgebung

Das Weibchen der Wasseramsel legt zwischen Ende März und Anfang April vier bis sechs Eier. Die Bebrütungsdauer liegt bei 14 bis 18 Tagen. Die Jungvögel schlüpfen dann alle nahezu zeitgleich zwischen Anfang April und Ende Juni, meistens aber im Mai. Es folgt eine Nestlingszeit von 20 bis 24 Tagen. Die darauf folgenden 14 Tage werden die kleinen Wasseramseln von ihren Eltern außerhalb des Nestes noch gefüttert, bevor sie sich ein eigenes Revier entlang des Flusses suchen.1

Den Anfang dieser 14 Tage muss ich heute per Zufall erwischt haben. In den folgenden Minuten durfte ich so einige wunderschöne Naturszenen mitverfolgen. Die junge Wasseramsel wirkte noch sehr tapsig und unsicher. Sie kletterte über Stöcke und Steine, flog schon wenige Schritte und hat versucht an verschiedenen Gegenständen zu knabbern.

Wie bereits geschrieben, kümmern sich die Eltern 14 Tage lang um die Jungvögel. Das heißt, dass im Extremfall bis zu sechs Jungvögel zu versorgen sind. Jedes Elternteil ist damit für zwei bis drei Jungtiere verantwortlich. Wenn es allerdings zu einer Zweitbrut kommt, dann sitzt das Weibchen nun schon wieder auf den nächsten Eiern und das Männchen muss sich um bis zu sechs Jungtiere kümmern.2

Dies sollte man beim Betrachten der nun folgenden Bilder im Hinterkopf behalten. Etwas später erscheint nämlich ein Altvogel. Ob es ein Männchen oder Weibchen war, vermag ich leider nicht zu sagen, da die beiden Geschlechter hauptsächlich durch ihre Größe unterschieden werden können. Sobald der Jungvogel seinen Erziehungsberechtigten sieht, geht der Schnabel weit auf und ein forderndes Geschrei beginnt. Von da an ist der Altvogel permanent im Endstress, um den gefrässigen Nachwuchs zu bändigen. Einer Fütterung folgt die nächste. Wer selber Kinder hat, erkennt gegebenenfalls Parallelen 😉

Dann rauscht der Altvogel davon und überlässt das Jungtier wieder sich selbst. Die Geschwister sitzen währenddessen irgendwo nur wenige Meter entfernt. Jetzt werden also erst einmal diese versorgt.

Das beobachtete Jungtier fährt jetzt fort mit der Erkundung der Umgebung. Dazu gehört auch, den Kopf unter Wasser zu stecken und nach dem ganzen Futter einen Schluck aus der Ahr zu nehmen.

Nachwuchs bei der Wasseramsel an der Ahr

Die junge Wasseramsel (Cinclus cinclus) trinkt

Danach wird die junge Wasseramsel mutig und wirft sich selbst in die Fluten. Der Wasserstand und die Fließgeschwindigkeit sind aktuell nicht allzu hoch. So versucht der kleine gefiederte Freund, wie seine Eltern zu tauchen und durch das Wasser zu gehen.

Zum Abschluß bewegt sich die junge Wasseramsel weiter entlang des Ufers, macht Halt zwischen zwei Steinen und betrachtet das Wasser.

Nachwuchs bei der Wasseramsel an der Ahr

Die junge Wasseramsel (Cinclus cinclus) bestaunt das Wasser

Kurze Zeit später flattert sie davon und entfernt sich aus meinem Sichtbereich. Zeit für mich, die Zelte abzubrechen und mit jeder Menge Bildmaterial im Gepäck die Heimreise anzutreten. Heute wurde ich für die Stunden im Zelt wirklich entlohnt. Manchmal ist es doch besser, ein paar Minuten länger sitzen zu bleiben. Ich habe heute erstmalig ein Jungtier der Wasseramsel gesehen und dann auch noch genau den richtigen Zeitpunkt der Fütterungsphase abgepasst. Die Wasseramseln an der Ahr werde ich sicherlich noch des Öfteren besuchen!

 

Quellen:

1. Creutz, G.: Die Wasseramsel; A. Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt; 1986 nach oben

2. Ebenda nach oben

 

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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