Mit dem Graureiher auf Fischjagd an der Ahr

Nachdem mir während des letzten Ausflugs an die Ahr zwar ein schönes Bild einer Wasseramsel (Cinclus cinclus) gelungen war, hatte ich dennoch nicht den erwünschten Jungvogel beobachten können. Aus diesem Grund stellte ich den Wecker wieder auf 04.15 Uhr und begab mich in aller Frühe an die Ahr. Das Tarnzelt stand wieder gegen 05.00 Uhr und bereits neun Minuten später sichtete ich die Wasseramsel samt Jungtier. Bei recht wenig Licht sind wenige Aufnahmen der beiden gelungen.

Vogelfotografie an der Ahr

Sehr bald wird die junge Wasseramsel (Cinclus cinclus) das elterliche Revier verlassen

Noch schauten sie gemeinsam in die Zukunft. Seit ich sie das erste Mal sah, waren nun aber schon neun Tage vergangen. Bald wird also Abschied genommen. Die junge Wasseramsel wird sich dann ein eigenes Revier entlang der Ahr oder einer ihrer Zuflüsse suchen und eigene Wege gehen. Vielleicht ist in diesem Bild sogar einer der letzten gemeinsamen Momente festgehalten. Irgendwie eine traurige Vorstellung…

Die Gebirgsstelze

Dann wurde es recht schnell turbulent. Die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) betrat oder besser gesagt beflog die Bühne. Während der gesamten drei Stunden im Tarnzelt zeigten sich die munteren Tierchen immer mal wieder vor der Kamera. Ein paar Impressionen habe ich Euch beigefügt.

Entenvögel

Während des Ansitzens watschelte plötzlich eine weibliche Stockente (Anas platyrhynchos) mitsamt einer ganzen Meute an Küken in aller Ruhe direkt an meinem Tarnzelt vorbei. Sie ließ sich von meiner Anwesenheit überhaupt nicht beunruhigen. Um dieses Bild machen zu können, musste ich erst warten, da die Mindestentfernung meines Superteles längere Zeit unterschritten blieb.

Vogelfotografie an der Ahr

Eine Stockente (Anas platyrhynchos) schwimmt mit ihrem Nachwuchs unmittelbar an meinem Tarnzelt vorbei

Gegen später zeigten sich noch zwei Nilgänse (Alopochen aegyptiaca), die in der Ahr sehr gemütlich nach Nahrung suchten. Dabei handelt es sich um invase Neozoen, die sicherlich nicht von jedem gern gesehen werden. Augenscheinlich sind sie gegenüber den heimischen Arten aber recht durchsetzungsfähig.

Vogelfotografie an der Ahr

Die Nilgans (Alopochen aegyptiaca) sucht nach Nahrung

Auf Fischjagd mit dem Graureiher

Dann geschah es plötzlich. Ohne Vorankündigung landete ein Graureiher (Ardea cinerea) einige Meter vor mir in der Ahr. Direkt nach Ankunft in der neuen Umgebung sicherte er mit hochgerecktem Hals und erhobenem Kopf. Nun galt es, Ruhe zu bewahren und sich nicht zu bewegen. Wenn der Graureiher während dieser Phase nur das geringste Unwohlsein verspürte, würde er sofort wieder abheben. Für mich war das in diesem Fall kein Problem, da das Objektiv zufällig schon auf ihn ausgerichtet war. Nachdem er sich einige Augenblicke von seiner eigenen Sicherheit überzeugte, ging er sofort in die Pirsch- und Schreitjagd über.1 Er watete hierbei langsam durch die Ahr und stand teilweise fast bis zur Brust im Wasser. Wenn er etwas interessantes bemerkte, hielt er an, drehte den Kopf etwas auf die Seite und musterte aufmerksam das Wasser.

Dann begann die eigentliche Jagd. Der Graureiher streckte seinen Hals nach vorne und behielt dabei das Auge immer auf das Objekt der Begierde ausgerichtet. Er ging nun in die Knie und brachte seinen Kopf langsam in Richtung Wasseroberfläche. Blitzschnell stieß er nun mit seinem Schnabel zu und nutzte dabei auch seine Flügel. Diesmal war er erfolgreich und hielt einen kleinen Fisch in seinem Schnabel gefangen. Er schüttelte nun seinen Kopf hin und her, um den Fisch bewusstlos zu machen. In der Folge bewegte er seinen Kopf und Schnabel so, dass der Fisch immer weiter in Richtung Rachen rutschte. Als dieser schließlich dort angekommen war, verschlang er ihn. Einen kurzen Moment lang zeichneten sich die Konturen des Fischs noch im Hals des Graureihers ab. Nach der Nahrungsaufnahme trank er. Dies geschah, um den gerade verschlungenen Fisch besser durch die Speiseröhre hinabgleiten zu lassen.2 Dieser gesamte Vorgang wiederholte sich einige Male.

Dabei war der Graureiher heute aber nicht immer erfolgreich. Creutz attestiert dem Graureiher bis zu 50% Fehlversuche.3

Vogelfotografie an der Ahr

Der Graureiher (Ardea cinerea) ist bei der Jagd nicht immer erfolgreich

Ab und zu sträubte der Graureiher sein Federkleid. Nach Creutz geschieht dies auch, wenn er sich aufgrund eines widerspenstigen oder zu großen Fisches im Hals etwas unwohl fühlt.4

Vogelfotografie an der Ahr

Der Graureiher (Ardea cinerea) sträubt seine Federn

Fazit

Heute war in der Ahr viel Action geboten. Teilweise wusste ich gar nicht, wohin ich mein Objektiv richten sollte. Während unweit vor dem Zelt die Gebirgsstelzen tanzten, war gleichzeitig etwas weiter hinten der Graureiher auf der Jagd. Diesen heute bei der Jagd beobachten zu können, war hoch interessant. Das zeigt mir einmal wieder, dass selbst die Beobachtung von vermeintlich häufigen Arten viele Erkenntnisse liefern kann. So freue ich mich schon auf meinen nächsten Besuch an der Ahr oder einem anderen Gewässer!

Quellen:

1. Creutz, G.: Der Graureiher; A. Ziemsen Verlag; Wittenberg Lutherstadt; 1981 nach oben

2. Ebenda nach oben

3. Ebenda nach oben

4. Ebenda nach oben

 

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