Ende Mai bei der Wasseramsel an der Ahr

Nachdem ich vor einer knappen Woche sehr ausgiebig den Wasseramseln (Cinclus cinclus) bei der Pflege ihres Nachwuchses zuschauen durfte, wollte ich natürlich schnellstmöglich den Fortgang der Dinge mitverfolgen. Leider regnete es die letzten Tage, so dass ein Ansitzen im Tarnzelt nicht sehr erfolgversprechend erschien. Wie im letzten Beitrag erwähnt, bleibt der Jungvogel nach dem Verlassen des Nests noch um die 14 Tage im elterlichen Revier. Allzuviel Zeit wollte ich daher nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Daher stand ich heute wieder einmal um 04.15 Uhr auf und richtete mich bis 05.00 Uhr häuslich im Tarnzelt an der Ahr ein. Den Aufbauort wollte ich aufgrund meiner Beobachtungen von vor einer Woche um ein paar Meter verschieben. Damit hatte ich auch einen perfekten Blick auf den angeschwemmten Baumstamm, der in Fließrichtung längs in der Ahr lag. Auf diesem Baumstamm posierte die Wasseramsel einst auch im März für das Bild im Licht der aufgehenden Sonne. In der Zwischenzeit hat dieser wurzellose Baum an einigen Stellen frisch ausgetrieben! So versprach ich mir eine schöne Kulisse für die Bilder sowie einen besseren Blick auf das illustre Treiben von Wasseramsel, Gebirgsstelze & Co.

Was aber eine ganze Zeit lang passierte, war genauso erstaunlich wie ernüchternd: Nichts! Kein Jungvogel, keine Wasseramsel, keine Gebirgsstelze oder anderes Federvieh traute sich in mein Blickfeld. Dafür verhielt sich die Ahr sehr entgegenkommend. Sie klopfte nach einiger Zeit an meinem Tarnzelt an. Die Regenfälle der letzten Tage haben mit einiger Verzögerung just heute Morgen dazu geführt, dass die Steine, auf welchen ich die Vögelchen erwartete, nunmehr unter Wasser standen. Sogar der mit frischen Trieben versehene, entwurzelte Baum ruckelte einmal kurz und bewegte sich wenige Zentimeter in Fließrichtung der Ahr. Da ich mein Tarnzelt grundsätzlich nicht mit Heringen im Boden befestige, bewegte ich mich mit dem ganzen Tross um einen halben Meter zur Landseite hin. Wieder einmal wollte ich frühzeitig einpacken. Eine innere Stimme brachte mich aber zur Räson. Also entschied ich, bis 08.00 Uhr zu bleiben, auch wenn nichts mehr passieren sollte. Um 07.48 Uhr ist es dann doch geschehen! Bei tollem Licht hat sich eine Wasseramsel für knappe 15 Sekunden auf den Baumstamm in der Ahr gesetzt. So kann es also gehen: Erst ewig warten und im entscheidenden Moment aufpassen oder mit leeren Händen dastehen. Ich hatte heute Glück und bin mit diesen beiden stimmungsvollen Bildern nach Hause, oder besser gesagt zur Arbeit, gegangen!

Wasseramsel an der Ahr

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) positioniert sich sehr schön in der aufgehenden Sonne

Wasseramsel an der Ahr

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) positioniert sich sehr schön in der aufgehenden Sonne

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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