April an der Ahr bei Wasseramsel und Gebirgsstelze

In aller Herrgottsfrühe habe ich heute wieder Bett, Haus und Familie zurückgelassen, um meine gefiederten Freunde an der Ahr beim Start in ihren Tag zu beobachten. Dazu erklangen gegen 05:00 Uhr ein sanfter Klingelton aus meinem Handy und mißmutige Beschwerden von meiner noch schlafenden Gattin. Nur kurz die Zähne geputzt, dann sitze ich auch schon im Auto. Als ich noch bei Dunkelheit die Ahr erreiche, flattern gerade zwei Fledermäuse durch die Luft. In aller Ruhe suche ich den besten Platz für mein Tarnzelt und richte mich wohnlich ein. Wichtig ist fertig zu sein, bevor die Vogelwelt erwacht. Schließlich brauchen meine Motive nicht zu sehen, wie ich mich in das Zelt begebe. Vielmehr soll das Zelt als Bestandteil der Vegetation (besser gesagt: gar nicht) wahrgenommen werden. Es ist immer noch dunkel, als ich in das Zelt eintrete, auf meinem Höckerchen Patz nehme und mich auf die kommenden Momente freue.

Die Wasseramsel erwacht

Die Helligkeit am Himmel nimmt nun recht schnell zu. Es dauert auch gar nicht lange und die erste Wasseramsel (Cinclus cinclus) zeigt sich. Leider ist es um ihren Ansitz herum noch ziemlich dunkel, so dass ich mit hohen ISO-Zahlen arbeiten muss. Dafür setzt sie sich ganz in der Nähe in Szene und ich muss nicht auf Konverter zurückgreifen. Das würde ansonsten einen weiteren Lichtverlust bedeuten. Im Folgenden beobachtet die Wasseramsel ausführlich die Umgebung, kümmert sich intensiv um die Pflege ihres Gefieders und reckt und streckt sich in alle Richtungen.

Ob ich damit die morgentliche Aufwachroutine der Wasseramsel abgelichtet habe, vermag ich leider nicht zu sagen. Dafür verfüge ich noch über zu wenig Artenkenntnis. Sicher ist, dass mich die Wasseramsel zunehmend fasziniert. Um mehr über dieses wunderschöne Tier zu lernen, habe ich mir das Buch über die Wasseramsel aus der Reihe „Die Neue Brehm-Bücherei“ zugelegt.

Mein Favorit des heutigen Tages ist aber das Bild der mit geschlossenen Augen trällernden Wasseramsel.

Wasseramsel und Gebirgsstelze an der Ahr

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) singt mit geschlossenen Augen

Die Gebirgsstelze mischt sich ein

Es dauert nicht lange, bis der wesentliche agilere und hektischere Zeit- und Lebensraumgenosse der Wasseramsel ins Geschehen eingreift. Die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) hat die Zeit nicht erfunden. Sie ist ständig in Bewegung und damit ein deutlich undankbareres Motiv als die Wasseramsel. Hier hilft nur, die Lebensgewohnheiten genau zu studieren und sich auf gewisse wiederkehrende Verhaltensmuster vorzubereiten.

Sofort beginnt die Gebirgsstelze mit der Nahrungssuche. Das ist gar nicht mal so schwer. Teilweise ist auf den Bildern die Masse der Fliegen zu erkennen, die über dem Wasser schweben. 

Die Wasseramsel auf Beutefang

Inzwischen ist auch die Wasseramsel auf Beutefang gegangen. Dazu hat sie sich mitten in der Ahr platziert und taucht auf der Jagd nach Köcherfliegenlarven immer wieder komplett oder nur mit dem Kopf unter Wasser ab.

Heute konnte ich keine Sammelaktivitäten von Nistmaterial mehr beobachten. Daher gehe ich davon aus, dass das Nest gebaut ist, die Eier gelegt sind und die Zeit des Brütens begonnen hat.

Fazit

Insgesamt viereinhalb Stunden habe ich im Tarnzelt verbracht. Danach hatte ich das Gefühl, dass sich meine Körperteile nun eine völlig neue und nicht vorgesehene Anordnung und Form gegeben haben. Vermutlich habe ich mich noch eine ganze Zeit lang wie John Wayne bewegt. Dafür boten sich mir tolle Beobachtungen der beiden friedlich nebeneinander lebenden Arten. Leider war das Geschehen teilweise recht weit entfernt. Beim nächsten Ausflug werde ich daher einen anderen Standort für mein Tarnzelt ausprobieren. Mit mehr Kenntnis über das Verhalten der beiden Arten und einer allmählichen Gewöhnung an mein von Zeit zu Zeit auftretendes Tarnzelt werde ich sicherlich die Qualität meiner Bilder steigern können. Das Tierwohl steht dabei immer im Vordergrund! Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Ansitz. Insbesondere freue ich mich auf die erste Sichtung des flügge gewordenen Nachwuchses an der Ahr!

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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