Ende Juni in der Tuffgrube

Nach der letzten Exkursion zu den Orchideen berichte ich heute meinen nächsten Ausflug in die Biotope des Landkreises Ahrweiler. Nur wenige Autominuten muss ich zurücklegen, um zu einer Tuffgrube zu gelangen. Aufgrund des besonderen Mikroklimas und des Untergrunds finden sich hier insbesondere thermophile und Trockenheit liebende Arten. Ich war schon sehr gespannt, was mich bei meinem ersten Ausflug in diesen Biotop wohl erwarten würde. Hier kommen die Bilder.

Obwohl es schon Abend ist, spüre ich immer noch die Hitze in diesem Kessel. Meinen Fotorucksack habe ich bis obenhin vollgemacht. Jetzt komme ich ganz schön ins Schwitzen. Glücklicherweise habe ich genügend Wasser dabei. Was mir sofort auffällt, das ist das dunkle Basaltgestein, mit dem der Boden bedeckt ist.

Botanische Funde

Dieses Gestein bildet eine wundervolle Kombination mit den roten Trieben des Weißen Mauerpfeffers (Sedum album). Aufgrund der tief stehenden Sonne ist das Licht schon recht soft. Also packe ich die Kamera auf meinen Bohnensack, um einen möglichst tiefen Aufnahmestandpunkt zu bekommen.

In der Tuffgrube

Die tief stehende Sonne lässt den Weißen Mauerpfeffer (Sedum album) in einem schönen Licht erstrahlen

Allein mit diesem Motiv könnte ich Stunden verbringen. Das schöne Pflänzlein wächst hier überall. Mit den Steinen im Vordergrund und Gebüschen im Hintergrund lassen sich hier unendlich viele interessante Bilder erarbeiten.

In der Tuffgrube

Auf dem Lavagestein wirkt das Rot des Weißen Mauerpfeffers (Sedum album) umso intensiver

Auch der Trauben-Gamander (Teucrium botrys) mag trockenen Untergrund. Glücklicherweise stehe ich vor einem vereinzelt wachsenden Exemplar, das sich somit sehr gut freistellen läßt.

In der Tuffgrube

Der nur zerstreut vorkommende Trauben-Gamander (Teucrium botrys) ist ein typischer Bewohner dieser Tuffgrube

Das Ausdauernde Sandglöckchen (Jasione laevis) erinnert an die Kugelblumen, gehört aber zu den Glockenblumengewächsen.

In der Tuffgrube

Auch das Ausdauernde Sandglöckchen (Jasione laevis) ist nicht sehr häufig

Der Feld-Steinquendel (Acinos arvensis) ist eine recht unscheinbare Art. Um ihn zu finden muss man schon genau hinsehen. In Verbindung mit anderen Pflanzen im Hintergrund läßt sich in diesem spärlich bewachsenen Biotop sehr schön experimentieren.

In der Tuffgrube

Ein Feld-Steinquendel (Acinos arvensis) im soften Licht der späten Abendstunden

Aber nichtnur die Pflanzen im Hintergrund, sondern auch die im Vordergrund lassen sich in die Bildkomposition einbinden.

In der Tuffgrube

Feld-Steinquendel (Acinos arvensis) hinter gelben Blüten

Eine nicht ganz so ungewöhnliche Pflanze, die hier häufig vorkommt, ist der Weiße Steinklee (Melilotus alba). Da ich diese Pflanze bislang aber noch nicht abgelichtet habe, waren heute Gelegenheit und Licht günstig.

In der Tuffgrube

Der Blütenstand eines Weißen Steinklees (Melilotus albus)

Entomologische Funde

Der erste entomologische Fund ist streng genommen ein entomologisch verursachter Auswuchs einer Pflanze. Die Gemeine Rosengallwespe (Diplolepis rosae) versursacht diesen Auswuchs an Rosengewächsen durch Eiablage. In diesem schön anzusehenden Rosenapfel wachsen behütet die Larven der Gallwespe heran.

In der Tuffgrube

In diesem Rosenapfel entwickeln sich die Larven der Gemeinen Rosengallwespe (Diplolepis rosae)

Der Rotbandspanner (Rhodostrophia vibicaria) hat so tief geschlafen, dass er selbst durch das Stativ über ihm und das Makro-Objektiv in kurzer Entfernung nicht beunruhigt war. Erst der Versuch, ihn mit einem Goldreflektor in besseres Licht zu rücken, hat ihn geweckt.

In der Tuffgrube

Dieser Rotbandspanner (Rhodostrophia vibicaria) hat geschlafen und war beim Shooting sehr geduldig

Auch diese kleine, bislang noch nicht bestimmte Motte hat sich von mir nicht aus der Ruhe bringen lassen.

In der Tuffgrube

Hier ruht ein nicht weiter bestimmter Nachtfalter

Für die Bodenwanzen der Art Pterotmetus staphyliniformis gibt es keinen Namen. Die Wanzen sind knappe 4mm groß. Sie sind an den kurzen Flügeln recht gut zu erkennen. Diese hier paaren sich gerade und saugen parallel Pflanzensaft. Manche Aktivitäten sind eben recht kräftezehrend.

In der Tuffgrube

Hier paart sich gerade eine 4mm große Bodenwanze mit dem Namen Pterotmetus staphyliniformis

Auch die Kugelwanzen der Art Coptosoma scutellatum haben keinen deutschen Namen. Sie sind knappe 4mm groß und bewegen sich überhaupt nicht. Dieses Bild wurde mit Stativ und einer Belichtungszeit von 2,5sec ohne Regung der Tierchen aufgenommen. Interessant ist die augenscheinlich sehr spiegelnde Oberfläche der Kugelwanzen. Dadurch ist die Gegenlichtblende meines Objektivs als schwarzer Fleck auf dem Hinterleib gut zu erkennen. Und das obwohl das Bild im Schatten aufgenommen wurde.

In der Tuffgrube

Diese Kugelwanzen mit dem Namen Coptosoma scutellatum haben sich überhaupt nicht bewegt

Fazit

Eigentlich hatte ich die Hoffnung heute noch einige Orchideen-Arten anzutreffen. Leider war es dafür schon zu spät, ich konnte nur noch vertrocknete Blütenstände erspähen. Dafür habe ich einige mir bislang unbekannte Arten gefunden und abgelichtet. Dies gilt für Pflanzen wie für Insekten. Insbesondere den Weißen Mauerpfeffer ist in dieser Umgebung ein echter Hingucker,d er viele fotografische Möglichkeiten bietet. Da dieses Biotop nicht weit entfernt liegt, werde ich künftig wohl öfters hierher kommen.

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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