November auf Langeoog

Dunkle Wolken, jede Menge Regen und stürmige Böen. So stellt sich der Außenstehende den November an der Nordseeküste vor. Das dachten auch wir bei der Planung unseres ersten Urlaubs auf der Ostfriesischen Insel Langeoog. Der Wetterbericht war zunächst auch dieser Ansicht und so haben wir uns auf das Äußerste eingestellt. Den Kindern ist das Wetter ohnehin nicht weiter wichtig. Viel entscheidender sind Muscheln, Sand und Meer. So haben wir uns Mitte November 2016 auf den Weg an die Nordseeküste gemacht.

Die Anreise nach Langeoog

Langeoog ist eine autofreie Insel. Nun kann sich der geneigte Reisende durchaus die Frage stellen, wie man denn überhaupt auf so eine Insel kommt. Das ist letzten Endes gar nicht schwierig und auch hervorragend organisiert.

Vor Antritt der Reise sollte man sich über die Abfahrtzeiten der Schiffahrt der Inselgemeinde Langeoog informieren und die Anreise dementsprechend planen. Die Anfahrt mit dem Auto endet in Bensersiel.  Direkt angrenzend an die Anlegestelle der Fähre befindet sich ein großer, gebührenpflichtiger Parkplatz. Von dort sind es, insbesondere wenn nur einige Parkplätze belegt sind, lediglich ein paar Schritte bis zur Gepäckabgabestelle. Wir haben hier unsere vier Koffer abgegeben und sind mit Handgepäck weiter auf die Fähre.

Nach dem Ablegen der Fähre liegen dunkle Wolken über der Anlegestelle von Bensersiel

Die Fahrt auf die Insel dauert nicht lange. Relativ schnell nach dem Ablegen zeichnet sich schon unser Ziel, der Hafen von Langeoog ab. Dort wartet schon die Inselbahn Langeoog auf uns.

Am Hafen von Langeoog angekommen steigen wir von der Fähre auf die Inselbahn um

Während wir selbst in die nostalgischen Waggons einsteigen, wird das Gepäck der Reisenden verladen. Einen Fahrschein benötigen wir nicht, unser Fährticket bewahrt auch für die Inselbahn seine Gültigkeit. So fahren wir gemächlich dem Bahnhof von Langeoog entgegen.

Die Inselbahn am Bahnhof von Langeoog zur blauen Stunde

Eine knappe Stunde nachdem die Fähre in Bensersiel abgelegt hat, kommt die Inselbahn am Bahnhof von Langeoog an. Hier wartet das Gepäck dann wieder auf seine Abholung. Alternativ kann man sich aber auch alles direkt und bequem in die Unterkunft liefern lassen. Wir sind also nun am Ziel unserer Reise angekommen.

Unterwegs auf Langeoog

Zur Zeit unserer Ankunft war das Wetter in der Tat so, wie wir uns das vorgestellt haben. Fotografisch gesehen hat sich hier das Paradies abgezeichnet. Unglücklicherweise habe ich diese Gelegenheit des ersten Tages nicht genutzt. Denn danach ist das Unglaubliche passiert. Das Wetter hat sich drastisch verbessert, meine anvisierten günstigen Gelegenheiten für dramatische Bilder waren somit dahin.

Das gute und warme Wetter bot dafür die Möglichkeit mit der Familie das Städtchen und den näheren Strand samt Watt zu erkunden. So standen wir per Zufall zur richtigen Zeit am Wasserturm, dem Wahrzeichen der Insel. Dieser war gerade geöffnet und konnte erklommen werden. So durften wir einen Blick von oben auf die Insel riskieren.

Der Ausblick vom Wasserturm auf das Städtchen von Langeoog

Der Wasserturm ist auf jeden Fall einen Besuch wert, ist er doch als Wahrzeichen auch vom Strand aus prominent und weithin zu erkennen.

Unterwegs auf der Insel Langeoog

Das Erkennungsmerkmal der Insel Langeoog, der Wasserturm

Wer sich dafür interessiert, der kann eine Führung mit Arvid buchen. Ich selbst habe an der Wattführung und an der Flinthörnführung teilgenommen und kann Euch beides ans Herz legen. Arvid ist methodisch auch sehr schön auf unsere Kleinen eingegangen, wodurch die Zeit praktisch verflogen ist. Wir haben viel über das einzigartige Watt und seine Bewohner gelernt. Die Landschaft im Watt und im Flinthörn ist großartig. Etwas störend wirken allerdings die Windräder, die sich auf dem Festland scheinbar flächendeckend ausbreiten.

Kurzurlaub auf Langeoog

Auch das ist Realität. Das Festland ist vollgepflastert mit Windrädern.

Wer am Strand spazieren geht, der stößt bei Ebbe schnell auf die prominent freiliegende Boje. Die ist natürlich für Spaziergänger eine der ersten Anlaufstellen. Um auf Fotos die Fußspuren zu vermeiden, sollte man also relativ schnell nach Einsetzen der Ebbe dort sein.

Die Boje liegt bei Ebbe prominent da und ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänger

Richtig toll ist es übrigens wenn ein Fahrrad zur Verfügung steht. Die Wege sind nicht wirklich weit und mit einem Rad läßt sich fast alles auf der Insel gut und schnell erreichen. Die wenigen Autos, die wir antreffen sind elektrisch angetrieben.

In den Geschäften bekommt der Urlauber auch im November alles, was zum Überleben benötigt wird. Wir sind an einem Sonntag angereist und konnten uns in einem gut sortierten Supermarkt eindecken.

Am Strand von Langeoog

Der Strand und das Meer waren für uns natürlich der Hauptgrund des Urlaubs. Deshalb ging es auch nach Ankunft direkt dorthin. Faszinierend für mich war zu sehen, welche Strukturen im Sand zu sehen sind. Diese können nahezu zonenweise eingeteilt werden. Und das Schönste, nach jeder Flut ist alles wieder völlig unberührt.

Großflächig finden sich entlang eines Streifens massig Muschelschalen

Es gibt Zonen, in denen sich sehr viele Muschelschalen, Steine und Schneckenhäuser finden. Gerade für die Kinder ist das sehr interessant und spannend. Einige Schritte weiter finden sich Rillen im Sand, die parallel zum Meer bis an den Horizont verlaufen.

Im Sand finden sich interessante Strukturen, wie diese Rillen

Ein paar Meter weiter hat sich wieder alles geändert. Hier finden sich nun wieder Muschelschalen, hinter denen sich durch Wind und Wasser Sand angehäuft hat.

Hinter diesen Muschelschalen hat sich durch Wind und Wasser Sand angehäuft

Als besonders faszinierend empfand ich es allerdings immer dann, wenn eine etwas steifere Brise eingesetzt hat und der Sand bei Ebbe schon etwas getrocknet war. Dann gab es regelrechte Verwehungen. Leider hatten wir nur am Anreisetag einen richtig starken Wind.

Der Wind weht den inzwischen trocken gewordenen Sand über den Strand

Wer etwas genauer hinsieht, der erkennt im Sand auch Formen durch Kontrastunterschiede. Es empfiehlt sich also wirklich, die Augen offen zu halten und den Blick für das Detail zu schulen.

Kurzurlaub auf Langeoog

Überall im Sand finden sich interessante Strukturen und Muster

Da ich recht schmerzfrei mit meiner Ausrüstung umgegangen bin, war ich nahezu jeden Abend mit dem Reinigen der Fotoausstattung beschäftigt. Der feine Sand hat seine Spuren hinterlassen, die regelmäßig beseitigt werden mussten. Zuhause war natürlich eine etwas größere Reinigungsaktion, auch für das genutzte Stativ, notwendig.

Auf Langeoog beobachtete Tiere

Die ersten Tierchen, die ich Euch hier präsentieren möchte, sind auf den ersten Blick gar nicht zu sehen. Ich musste dazu ein von der Flut angeschwemmtes und zurückgelassenes Stück Holz umdrehen. Dort entdeckte ich zwei Krebstierchen, die mich zu einer Makroaufnahme mit Stativ motiviert haben.

Unter einem angeschwemmten Holzstück finden sich ca. 1cm große Krebstierchen

Das Meer hat aber auch andere Tiere an Land gespült. Wie auf dem nächsten Bild zu sehen, fanden sich im Sand eine ganze Menge kleiner Quallen.

Vom Meer wurden Quallen an den Strand gespült

Genesselt haben die glücklicherweise nicht. Die Kinder haben aufgrund der Unkenntnis einen Selbstversuch unternommen. Aus der Nähe sahen die bizarren Tierchen dann so aus.

Auf Augenhöhe mit einer angeschwemmten Qualle

Auch aus der zoologischen Klasse der Vögel konnten wir so manchen Vertreter beobachten. Beginnen möchte ich mit der Brandgans (Tadorna tadorna). Hier war gerade eine kleine Gruppe im Watt bei Futtersuche zugange.

Kurzurlaub auf Langeoog

Eine Gruppe von Brandgänsen (Tadorna tadorna) im Watt

Einer der typischen Vertreter der Vogelwelt an der Küste ist der Austernfischer (Haematopus ostralegus). Mit Hilfe seines langen Schnabels stochert er beständig im Sand auf der Suche nach Nahrung.

Zwei Austernfischer (Haematopus ostralegus) auf Futtersuche

Die Silbermöwe (Larus argentatus) ist ebenso ein häufiger Vertreter an der Nordseeküste. Sie wird recht groß und kann recht aufdringlich werden. Das haben unsere Kinder feststellen müssen, als sie am Strand einen Keks essen wollten. Sofort waren ein paar Silbermöwen zur Stelle, die recht lautstark ihren Appetit zum Ausdruck brachten.

Kurzurlaub auf Langeoog

Der Silbermöwe (Larus argentatus) macht der sandige Wind nicht viel aus

Während einer kleinen Radtour habe ich im Augenwinkel einen farbigen Klecks auf einer Düne ausgemacht. Mir war schnell klar, was es sein musste. Also schnell runter vom Fahrrad, Kamera aus dem Rucksack, Tele drauf und dann Feuer. Ein männlicher Fasan (Phasianus colchicus) in freier Wildbahn ist ein echter Blickfang.

Ein männlicher Fasan (Phasianus colchicus) auf einer Düne

Nach einigen Bildern habe ich natürlich die fotografische Ausbeute zwischendurch ausgewertet. Dabei habe ich auf dem Display der Kamera festgestellt, dass zu dem Männchen auch noch ein Weibchen gehört. Bei vielen Damen in der Vogelwelt ist ein schlichtes Kleid zweckmäßiger. Schließlich kümmern sie sich um das Ausbrüten des Nachwuchses. Daher ist es besser, wenn man sich gut an die Umgebung anpasst und nicht auffällt.

Kurzurlaub auf Langeoog

Männchen und Weibchen des Fasans (Phasianus colchicus) im Gras

Zusammenfassend musste ich wieder einmal feststellen, dass ich streckenweise etwas zu wenig Brennweite im Portfolio habe. Gerade für die lieben Vögelchen dürfte es bisweilen etwas mehr sein. Mal sehen, was die Zukunft so mit sich bringt…

Der letzte Sonnenuntergang

An unserem letzten Tag auf Langeoog herrschte strahlender Sonnenschein. Natürlich waren wir wieder am Strand unterwegs. Da im November die Sonne schon recht früh untergeht, haben wir unseren vorübergehend letzten Sonnenuntergang in Ostfriesland auch am Strand miterlebt.

Unser letzter Sonnenuntergang auf Langeoog beginnt

Ein leichter Wind hat wieder zu Verwehungen des inzwischen getrockneten Sandes geführt. Die Boje wurde ausgiebig zu Fotoshootings genutzt, wie Ihr es auf dem Bild unten sehen könnt.

Kurzurlaub auf Langeoog

Auf der Boje wird die tolle Lichtstimmung zum Shooting genutzt

Mit der untergehenden Sonne lassen sich wirklich tolle Dinge treiben. Wer direkt gegen die Sonne fotografiert und dabei noch unterbelichtet, der bekommt wunderbare Silhouetten. So ist das Bild der Silbermöwe unten entstanden. Das ist nicht ganz ungefährlich, denn man sollte weder in den Sucher schauen, noch Liveview nutzen. Damit kann man entweder die Netzhaut oder den Sensor ruinieren. Insbesondere bei Nutzung eines Teleobjektivs.

Eine Silbermöwe (Larus argentatus) in der untergehenden Sonne

Dann war es soweit. Gegen 16.20 Uhr ging die Sonne am Horizont unter und färbte diesen in ein tolles Orange. Die Wärme des Tages war wie verflogen und recht schnell wurde es recht schattig. Zeit also für eine heiße Tasse Sanddorntee. Und danach ein kühles Störtebeker Bier, frisch aus dem Kühlschrank.

Recht schnell verabschiedet sich die Sonne am Horizont

Am nächsten Tag mussten wir, beladen mit Wehmut und nach Fisch riechenden Rucksäcken (wegen der Muscheln), Langeoog den Rücken kehren. Wie gerne wären wir noch länger geblieben.

Fazit

Unser erster Familienurlaub an der Nordseeküste war ein voller Erfolg. Buddeln, Muscheln suchen und bestimmen, Wattführung und das Radeln auf der autofreien Insel haben richtig Lust auf mehr gemacht. Seid Ihr auch reif für die Insel? Langeoog ist definitiv eine Reise wert. Noch lange werden wir an unsere fantastischen Eindrücke und gemeinsamen Erlebnisse zurückdenken. Es bleibt die Erinnerung und die feste Absicht, dass es ein Wiedersehen mit Ostfriesland geben wird. Bevorzugt wieder im Herbst.

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.