Mykologische Exkursion mit der AMU auf dem Hochsträß

Am heutigen Sonntag haben sich wieder an Pilzen interessierte Vereinsmitglieder der AMU zu einer mykologischen Exkursion in ein Waldstück auf dem Hochsträß zusammengefunden. Natürlich war die Exkursion wieder einmal hervorragend vorbereitet, einige Fundstellen waren bereits vorerkundet.

Als bekennender Pilz-Paparazzo bin ich heute wieder einmal voll auf meine Kosten gekommen. Insbesonder die Anzahl der gefundenen recht kleinen Arten hat dazu geführt, dass mein Lupenobjektiv (Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x) häufig zum Einsatz kam. Da ich gleich vor Ort zumeist Bildserien für das anschließende Fokus Stacking anfertige, benötige ich immer etwas mehr Zeit. Dadurch kann ich natürlich nicht alle gefundenen Arten abbilden, sondern nur eine kleine Auswahl daraus präsentieren. Die vollständige Fundliste kann aber auf der Homepage der AMU abgerufen werden.

Die erste Art, die ich Euch vorstellen möchte, entspringt der Familie der Schildborstlinge. Das erste Bild zeigt einen Sternsporigen Schildborstling (Scutellinia trechispora), der auf dem Boden zwischen Moos gewachsen ist. Die Schildborstlinge sind makroskopisch nicht auseinanderzuhalten. Ein Exemplar dieser Gruppe wurde allerdings im Nachklapp mikroskopisch bestimmt. Das folgende Bild eines ca 6mm großen Fruchtkörpers wurde aus 30 Bildern zusammengesetzt.

Dieser Sternsporige Schildborstling (scutellinia trechispora) ist ca. 6mm groß. Stack aus 30 Bildern

Dieser Sternsporige Schildborstling (Scutellinia trechispora) ist ca. 6mm groß

Am Ende der Exkursion haben wir größere Gruppen auf Holz wachsender Schildborstlinge gefunden, die allerdings mikroskopisch nicht näher untersucht wurden. Dieses Bild wurde aus 21 Bildern zusammengerechnet.

Eine Gruppe unbestimmter Schildborstlinge (Scutellinia spec.). Stack aus 21 Bildern

Eine Gruppe unbestimmter Schildborstlinge (Scutellinia spec.)

Der nächste Pilz fällt in die Kategorie „nur oberflächlich unscheinbar“. Bei näherem Hinschauen zeigt der auf Totholz wachsende Ockerrötliche Resupinatstacheling (Steccherinum ochraceum) faszinierende Strukturen. Für dieses Bild wurden 20 Aufnahmen verwendet.

Ein Ockerrötlicher Resupinatstacheling (Steccherinum ochraceum). Stack aus 20 Bildern

Ein Ockerrötlicher Resupinatstacheling (Steccherinum ochraceum)

Der Orangerote Heftelnabeling (Rickenella fibula) ist ein kleiner Pilz, der häufiger in unseren Wäldern vorkommt. Insbesondere zwischen Moos wachsend stellt er einen attraktiven Farbkonstrast dar.  Dieses Bild wurde aus 13 Aufnahmen gestackt.

Ein Orangeroter Heftelnabeling (Rickenella fibula). Stack aus 13 Bildern

Ein Orangeroter Heftelnabeling (Rickenella fibula)

Aus der Ferne sah es so aus, wie wenn jemand eine Packung Tic Tac über einem bemoosten Baumstamm ausgeleert hätte. Bei näherem Hinsehen hat sich die vermeintlich 2 kcal-haltige kulinarische Delikatesse jedoch als etwas ganz anderes dargestellt. Der Konische Blutmilchpilz (Lycogala conicum) ist streng genommen gar kein Pilz, sondern gehört zu den Schleimpilzen.

Eine Gruppe von Fruchtkörpern des Konischen Blutmilchpilzes (Lycogala conicum)

Eine Gruppe von Fruchtkörpern des Konischen Blutmilchpilzes (Lycogala conicum)

Dabei handelt es sich um einen selteneren Vertreter des häufig zu findenden Blutmilchpilzes (Lycogala epidendrum). Bei näherem Hinsehen treten auf den einzelnen Fruchtkörpern Strukturen zu Tage. Das folgende Bild habe ich aus drei Bildern zusammengesetzt.

Nahaufnahme des Konischen Blutmilchpilzes (Lycogala conicum). Stack aus 3 Bildern

Nahaufnahme des Konischen Blutmilchpilzes (Lycogala conicum)

Viel weniger auffällig ist das Schneeweiße Haarbecherchen (Dasyscyphella nivea). Auf der Eichenwurzel waren lediglich kleine weiße Punkte zu sehen. Da die einzelnen Fruchtkörper nur 1-2mm groß sind, mußte ich für das nächste Bild ans Limit meines Lupenobjektivs gehen. Präzises Arbeiten ist dabei auf dem weichen Waldboden schwierig. Teilweise hat die auf Stativ montierte Kamera nach dem Fokusieren bis zu sechs Sekunden gewackelt. Das nächste Bild könnte natürlich mehr Schärfentiefe haben. Aufgrund der Kürze der Zeit habe ich hierfür aber nur drei Aufnahmen angefertigt.

Eine Gruppe des Schneeweißen Haarbecherchens (Dasyscyphella nivea) an einer Eichenwurzel. Stack aus 3 Bildern

Eine Gruppe des Schneeweißen Haarbecherchens (Dasyscyphella nivea) an einer Eichenwurzel

Wir bleiben nun bei der Eiche als Substrat, verändern aber die Farbe von schneeweiß auf schmutzig-braunschwarz. Der Gemeine Schmutzbecherling (Bulgaria inquinans) trat massenweise auf einem auf dem Waldboden liegenden Haufen von Eichenästen auf. Der geneigte Waldschrat kann diese nutzen, um sich farblich perfekt der Umgebung anzupassen. Das folgende Bild eines noch jungen Exemplars wurde aus 13 Bildern zusammengesetzt.

Ein Gemeiner Schmutzbecherling (Bulgaria inquinans) auf einem bemoosten Eichenast. Stack aus 13 Bildern

Ein Gemeiner Schmutzbecherling (Bulgaria inquinans) auf einem bemoosten Eichenast

Der Ockerbraune Trichterling (Clitocybe gibba) ist gut zu erkennen, da er mittig im Trichter des Hutes eine fühlbare Erhöhung aufweist. Die von mir gewählte Perspektive läßt dies leider nicht erkennen. Dafür soll dieser Blickwinkel aufzeigen, wie gut der Pilz in die ihn umgebende Waldflora und -fauna integriert ist.

Eine Spinne lauert unter einem Ockerbraunen Trichterling (Clitocybe gibba)

Eine Spinne lauert unter einem Ockerbraunen Trichterling (Clitocybe gibba)

Auch bei den Echten Becherlingen (Peziza) führt eine rein makroskopische Betrachtung selten zum Bestimmungserfolg. Daher mußte auch die folgende Art mikroskopisch untersucht werden.  Dieses Bild des Riesen-Becherlings (Peziza varia) wurde aus 13 Bildern zusammengesetzt.

Ein Riesen-Becherling (Peziza varia). Stack aus 13 Bildern

Ein Riesen-Becherling (Peziza varia)

Gleichsam schwierig auseinanderzuhalten sind die verschiedenen Korallen-Arten (Ramaria). Leider kann ich mit dem Vornamen dieser Koralle nicht dienen. Das Bild habe ich aus 11 Bildern zusammengesetzt.

Eine unbestimmte Koralle (Ramaria spec.). Stack aus 11 Bildern

Eine unbestimmte Koralle (Ramaria spec.)

Das nächste Bild entstammt aus einem anderen Ausschnitt der größeren Gruppe. Eine Einzelaufnahme mit größerem Blendenwert vor dem Hintergrund eines bemoosten Baumstammes führte zu dem folgenden Bild.

Eine unbestimmte Koralle (Ramaria spec.)

Eine unbestimmte Koralle (Ramaria spec.)

At last, but not at least, folgt der Igelstäubling (Lycoperdon echinatum). Dieser seltenere, dafür gut erkennbare Waldbewohner wuchs etwas abseits des Weges zwischen Gras.

Ein seltener aber schon agefressener Igelstäubling (Lycoperdon echinatum)

Ein seltener aber schon agefressener Igelstäubling (Lycoperdon echinatum)

Fazit

Heute war insbesondere im Kleinpilz-Segment vieles geboten. Technisch stand ich vor einigen Herausforderungen. Leider konnte ich bislang einen weiteren Stack einer Gruppe von Halsband-Schwindlingen nicht einstellen, da sich die Fruchtkörper ganz dezent im leichten Wind zwischen den Aufnahmen bewegt haben und auch die Lichtverhältnisse leider nicht konstant waren. Ansonsten hat es mir wieder einen wahnsinnigen Spaß gemacht, insbesondere weil sich wieder einmal viele für mich neue Arten in der Fundliste wiederfinden.

Abschied

Leider war das für mich die letzte Aktivität mit der AMU. Nach nur zwei Jahren Mitgliedschaft mußte ich aufgrund meines anstehenden Umzuges in Richtung Rheinland leider die Kündigung aussprechen. In der AMU habe ich mich von Anfang an sehr aufgehoben gefühlt. Das liegt einerseits natürlich an den hoch interessanten Exkursionsangeboten, andererseits aber auch an der Herzlichkeit und der Offenheit der Vereinsmitglieder. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals recht herzlich für die letzten zwei Jahre bedanken und wünsche der AMU und ihren Mitgliedern alles erdenklich Gute! Ich hoffe, dass sich unsere Wege noch oft kreuzen werden. Douglas Adams hätte wohl gesagt: Machts gut und danke für den Pilz!

Der Autor bei der Arbeit (Bild: Sonja und Horst)

Der Autor bei der Arbeit an einer Eichenwurzel (Bild: Sonja und Horst)

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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2 Antworten

  1. Karl Keck sagt:

    Schön, lieber Andreas, dass Du in der AMU Mitglied warst und so hervorragende Pilzporträts in Deinen Blog gestellt hast.
    Alles Gute für Deine berufliche und private Zukunft!
    Ich wünsche Dir, dass Du im Rheinland Pilzfreunde findest, bei denen Du Dich genauso wohlfühlst wie bei uns!
    Auf weitere hübsche Pilzfotos aus Deiner neuen Umgebung freue ich mich.
    Ciao, Karl

    • Lieber Karl, vielen Dank für Deine lieben Worte. Auch ich wünsche Dir alles erdenklich Gute, viel Glück und vor allem Gesundheit! Ich würde mich wirklich freuen, wenn sich unsere Wege wieder kreuzen. Vielen Dank auch für Deine fachliche Unterstützung und die angenehmen und lehrreichen Gespräche! Alles Gute und hoffentlich bis bald, Andreas

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