Biodiversität im Steinbruch

Als ich Mitte Juni im Steinbruch fotografiert habe, waren gerade einmal die Knospen der Roten Waldvöglein (Cephalanthera rubra) zu sehen. Darum habe ich mir Ende Juni vorgenommen zurückzukehren, um hoffentlich die blühenden Pflanzen vor die Linse zu bekommen. Dies war sozusagen der Hauptzweck dieser Exkursion.

Auch dieses Mal  war in dem schönen Habitat so manches zu sehen. Allerdings waren weniger fotogene, dafür umso mehr saugende Insekten unterwegs. Die Bienen-Ragwurzen waren schon verblüht, so dass ich mit keinen Bildern aufwarten kann. Dafür gab es viele Rotbraune Stendelwurzen (Epipactis atrorubens) zu sehen, die auch erst seit kurzem zu blühen begonnen haben. Leider habe ich es aufgrund der hohen Vegetation nicht geschafft eine blühende Pflanze in ihrer Gesamtheit freizustellen. Diese aus der Ferne recht unscheinbare Pflanze entfaltet ihre Schönheit erst, wenn man sie aus nächster Nähe betrachtet.

Blütenstand einer Rotbraunen Stendelwurz (Epipactis atrorubens)

Blütenstand einer Rotbraunen Stendelwurz (Epipactis atrorubens)

Ein paar Schritte weiter ist mir ein kleiner weißer Fleck im Gras aufgefallen. Nach etwas näherer Betrachtung hat sich dieser als Kokon in einem Spinnennetz herausgestellt. Der Kokon war wohl schon verlassen, denn im Netz wimmelte es nur so von kleinen Spinnen. Deswegen habe ich das Lupenobjektiv aufgeschraubt und bin den kleinen Tierchen etwas näher gekommen. Sie waren von dem Sonnenlicht, das mein Reflektor in ihr Zuhause geworfen hat, zunächst etwas erschreckt. Nach wenigen Sekunden sind sie aber alle wieder herausgekrochen und verharrten dann relativ still. So konnte ich trotz recht langer Belichtungszeit dieses Bild machen. Was Ihr auf dieser Aufnahme seht, ist in der Realität ungefähr 15mm breit.

Ein Nest mit unbestimmten kleinen Spinnen

Ein Nest mit unbestimmten kleinen Spinnen

Die Margerite beginnt sich langsam zu meiner Lieblingsblume zu entwicklen, da sich auf ihr eine unglaubliche Vielzahl an Besuchern ein Stelldichein geben. In diesem Fall ist es eine Langfühlerschrecke. Ich habe den Stengel der Margerite mit der Wimberley Plampp am Stativ befestigt, so dass sich die Auswirkungen des Windes reduzieren. Dabei konnte ich gleich zwei Nachteile feststellen. Einerseits haben sich meine Befürchtungen eines gekoppelten Systems bewahrheitet. Selbst das sanfteste Betätigen des Fokusierrings hat deutliche Erschütterungen am Motiv ausgelöst. Zweitens konnte ich das Stativ nicht mehr bewegen, da es mit der Margerite verbunden war. Aus diesen Gründen habe ich das Novoflex StaSet bestellt. Im Laufe der nächsten Beiträge werde ich auf meine Erfahrungen eingehen. Nun aber zu der Langfühlerschrecke. Ich versuche zumeist, das Motiv im rechten Winkel zur Kamera auszurichten. So kann man aus der geringen Schärfentiefe das Maximum herausholen. In diesem Fall hat sich das Tierchen etwas geschämt und von mir weggedreht. Da ich das Stativ nicht bewegen konnte, musste ich in dieser Position veharren. Anhand des Schattenwurfes der Schenkel, kann man gut erkennen, in welcher Richtung die Sonne stand.

Exkursion Steinbruch SotzenhausenDanach habe ich mich in den Bereich begeben, wo ich zwei Wochen vorher die knospenden Roten Waldvöglein entdeckt hatte. Schnell wurde ich fündig. Ich wollte mich zunächst mit einer Einzelblüte beschäftigen. Nach kurzer Zeit hatte ich eine Blüte identifiziert und die Kamera aufgebaut und eingerichtet. Nach einiger Zeit fällt mir auf, dass sich etwas unterhalb der Blüte bewegt. Bei genauerem Hinsehen hat sich dieses Etwas als Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) erwiesen. Im ersten Bild habe ich bewusst eine geringe Schärfentiefe eingesetzt, um die Beine der kleinen Jungspinne herauszustellen. Der gesamte Bildausschnitt ist circa 3cm groß.

EIne junge Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) auf der Blüte eines Roten Waldvögleins (Cephalanthera rubra)

EIne junge Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) unter der Blüte eines Roten Waldvögleins (Cephalanthera rubra)

Nach einigen Bildern wollte die Spinne ihren Standort verändern. Sie ist unter der Blüte hervorgekrochen und hat einen Ausflug unternommen. Ab und an hat sie völlig bewegungslos inne gehalten. Diesen Moment konnte ich nutzen und trotz langer Belichtungszeit ein scharfes Bild machen.

EIne junge Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) auf der Blüte eines Roten Waldvögleins (Cephalanthera rubra)

EIne junge Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) auf der Blüte eines Roten Waldvögleins (Cephalanthera rubra)

Nachdem sich die Krabbenspinne wieder unter die Blüte bewegt hat, wollte ich natürlich auch noch eine Seitenaufnahme haben. Diese Aufnahme ist daher diesselbe Blüte mit demselben Besucher, nur von der Seite aufgenommen.

EIne junge Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) auf der Blüte eines Roten Waldvögleins (Cephalanthera rubra)

EIne junge Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) auf der Blüte eines Roten Waldvögleins (Cephalanthera rubra) in Seitenansicht

Weiter auf dem Weg finde ich ein Pärchen Widderchen bei der Kopula. Meiner Ansicht nach handelt es sich wegen des beilförmigen hintersten Fleckens auf den Flügeln um Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti).

Vermutlich Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti) bei der Kopula

Vermutlich Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti) bei der Kopula

Der Nachmittag geht nun langsam in den Abend über. Die tief stehende Sonne markiert den Beginn der besten Lichtverhältnisse. Insbesondere Gegenlichtaufnahmen können jetzt hervorragende Ergebnisse hervorbringen. Als letztes Bild möchte ich Euch ein Rotes Waldvöglein im Gegenlicht zeigen. Leider waren auch hier bei der Freistellung Grenzen gesetzt durch die Vegetation.

Ein Rotes Waldvöglein in der untergehenden Sonne (Cephalanthera rubra)

Ein Rotes Waldvöglein in der untergehenden Sonne (Cephalanthera rubra)

Fazit

Die letzte Exkursion war sicherlich beeindruckender. Nichtsdestotrotz hatte ich einige schöne Begegnungen. Insbesondere das längere Beschäftigen mit und Beobachten der kleinen aber schönen Krabbenspinne fand ich sehr interessant. Ich werde sicherlich ab und an wieder in den Steinbruch zurückkehren. Leider gibt es heutzutage nicht mehr allzuviel derartiger Biotope.

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