Orchideen- und Makrofotografie

Auslöser war eigentlich die Blüte der wohl bekanntesten Orchidee, des Frauenschuhs. Bereits vor wenigen Wochen hatte ich mich über deren Standort in unserer Nähe informiert und fand nur noch keine Zeit für einen Besuch. Mitte Juni war es dann endlich so weit. Mit einem befreundeten Naturfotografen habe ich eine gemeinsame Tagesexkursion vereinbart. Ziel sollten die einschlägig bekannten Orchideenstandorte sein. Insgesamt hatten wir dazu drei Biotope identifiziert. Zunächst zu den Frauenschuhvorkommen, dann auf einen Trockenrasen und letztendlich in einen alten Steinbruch. Das klang schon im Vorfeld recht vielversprechend, schließendlich bin ich mit viel Bildmaterial und einigen neuen Lehren im Gepäck zufrieden nach Hause gekommen. Aber von Anfang an…

Im Orchideenwald

Erster Anlaufpunkt unserer Reise war ein lokales Vorkommen des Gelben Frauenschuhs (Cypripedium calceolus). Es ist schon ein kleiner Fussmarsch für den ich Gott sei Dank die Gummistiefel gewählt habe. Die morgendliche Vegetation ist nass, was mich aber nicht wirklich stört. Als wir endlich an der ersehnten Stelle ankommen, müssen wir lange suchen. Zunächst finden wir nicht einmal einen Anhaltspunkt und denken schon, dass die diesjährige Blüte ausgefallen ist. Schließlich stossen wir doch noch auf mehrere bereits verblühte Stöcke. Die Enttäuschung ist groß, offensichtlich sind wir zwei bis drei Wochen zu spät dran. Kurz bevor wir den Rückzug antreten, finden sich dann doch noch zwei einzelne verlorene Exemplare. Natürlich baue ich sogleich dass Stativ auf und mache ein paar Bilder, zumindest als Beweis meines ersten Aufeinandertreffens mit dieser wunderschönen Pflanze.

Ein Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Einer der letzten Gelben Frauenschuhe (Cypripedium calceolus) des Jahres

Für nächstes Jahr merke ich im Kalender bereits für Mitte bis Ende Mai meine Rückkehr vor. Mit diesen ersten Eindrücken gehen wir ein paar Meter weiter, zum Waldrand.

Auf den kleinen Wiesenanteilen zwischen Wald und Weg finden sich nun einige interessante fotografische Gelegenheiten. Zunächst fällt mir beim groben Abgehen des Areals eine Grüne Krabbenspinne (Diaea dorsata) auf einem gelben Korbblütler ins Auge. Das hübsche Tier verzieht sich sofort bei meiner Ankunft unter die Blüte. Dort bleibt es zunächst ruhig sitzen, so dass ich mein Stativ aufbauen kann. Ich kann einige Aufnahmen machen und stelle dabei fest, dass die kleine Spinne den Blütenkelch nahezu vollständig mit ihren langen Beinen umfassen kann. Wehe dem Insekt, das sich zum fröhlichen Schmaus auf der Blüte niederlässt…

Eine Grüne Krabbenspinne (Diaea dorsata) auf der Lauer unter einer Blüte

Eine Grüne Krabbenspinne (Diaea dorsata) auf der Lauer unter einer Blüte

Einige Meter weiter, die gleiche Pflanzenart, ein anderer Gast. Wie ich nach späterer Recherche herausfinde, hatte ich ein Shooting mit einem Grünblauen Fallkäfer (Cryptocephalus sericeus). Das sechs bis acht Milimeter groß werdende Insekt gehört zur Familie der Blattkäfer. Auch er findet sich gerne auf gelben Korbblütlern. Mein Exemplar habe ich mit einem Reflektor von vorne etwas angeleuchtet.

Ein Grünblauer Blattkäfer (Cryptocephalus sericeus)

Ein Grünblauer Fallkäfer (Cryptocephalus sericeus)

Als wir schon wieder gehen möchten, fällt uns ein Kleinod in allernächster Nähe auf. Den halben Vormittag hatten wir in enger Nachbarschaft mit einer Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) verbracht, ohne sie gesehen zu haben. Die Tatsache, dass die Blüte schon ein wenig unfrisch wirkt, schmälert nicht meine Freude über eine weitere Erstbegegnung mit einer heimischen Orchideenart.

Blüte einer Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)

Blüte einer Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)

Nach diesem verheißungsvollen Beginn verlassen wir unser erstes Biotop und machen uns auf den kurzen Weg zur nächsten Station.

Auf dem Trockenrasen

Wir befinden uns nun auf einem für die Schwäbische Alb typischen Kalkmagerrasen. In diesem der Sonne exponierten Biotop finden sich botanische und zoologische Seltenheiten auf engem Raum. Es gibt bereits einige Wege und entlang dieser viel zu entdecken. Niemand braucht also vom Weg abzukommen, um seine Bilder zu machen. Nach einigen erfolglosen Bemühungen, finde ich eine Ansammlung sehr farbenfroher Blümchen. Bei der Recherche in der Literatur zuhause finde ich heraus, dass es sich um den Acker-Wachtelweizen handelt. Da dieser Angehörige der Familie der Sommerwurzgewächse selbst Chlorophyll produzieren kann, gehört er zu den Halbschmarotzern. Darüberhinaus ist er eine farbliche Bereicherung für die Wiese.

Ein Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense)

Ein Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense)

Als nächstes treffe ich während meines Streifzuges auf ein Pärchen Käfer, die auf einer Margerite in der Sonne baden. Der geneigte Betrachter sieht auf den ersten Blick, dass es sich dabei um Bockkäfer handelt. Später identifiziere ich die beiden als Zweibindige Schmalböcke. Das Stativ platziere ich vorsichtig direkt über der Blüte und fahre dann langsam die Mittelsäule mit dem Objektiv herunter. So komme ich recht nahe an das Motiv heran.

Männchen und Weibchen des Zweibindigen Schmalbocks (Stenurella bifasciata)

Männchen (links) und Weibchen (rechts) des Zweibindigen Schmalbocks (Stenurella bifasciata)

Nur wenige Meter weiter finde ich einen noch ignoranteren Bewohner der Wiese. Leider ist die Unterfamilie der Scheckenfalter aus der Familie der Edelfalter für den Laien nur schwer auseinanderzuhalten, weswegen ich die letztendliche Bestimmung für einen späteren Zeitpunkt aufhebe. Für mein erstes Bild habe ich die Seitenansicht gewählt.

Vermutlich ein Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea cf. athalia) in Seitenaufnahme

Vermutlich ein Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea cf. athalia) in Seitenaufnahme

Der Scheckenfalter (Melitaea spec.) macht sich überhaupt nichts aus meiner Anwesenheit. In aller Seelenruhe kann ich meine Stativ aufbauen, verschieben und in die optimale Position bringen. So bewege ich versehentlich sogar den Stängel der Margerite, ohne das Tierchen aufzuschrecken. Das bringt mich dann auf die Idee der Frontalperspektive.

Vermutlich ein Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea cf. athalia) in Frontalaufnahme

Vermutlich ein Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea cf. athalia) in Frontalaufnahme

Einige Blüten weiter finde ich wieder einen Bekannten vom Vormittag. Wiederum auf einer Margerite sitzt ein weiterer Grünblauer Fallkäfer (Cryptocephalus sericeus). Aufgrund der Bewölkung bewegt auch er sich nicht allzu schnell, so dass mir nochmals eine Aufnahme gelingt.

Ein Grünblauer Blattkäfer (Cryptocephalus sericeus) auf einer Margerite

Ein Grünblauer Fallkäfer (Cryptocephalus sericeus) auf einer Margerite

Nach vielen Eindrücken, die dem freundlich desinteressierten Passanten niemals ins Auge gefallen wären, verabschieden wir uns aus diesem schönen Biotop in die Mittagspause.

Im Steinbruch

Frisch gestärkt geht unsere Reise weiter in einen ehemaligen Steinbruch. Dort soll das Rote Waldvöglein (Cephalanthera rubra) wachsen, welches das eigentliche Ziel unseres Besuchs ist. Es kommt, wie es kommen muss. Wir finden die Pflanzen. Diesmal waren wir aber glücklicherweise zu früh dran. Deswegen werde ich dieser Tage wiederkehren. Das Schöne eines nicht-spezialisierten Makrofotografen ist aber, dass sich eigentlich immer etwas interessantes finden lässt. So fällt mir zunächst eine blaue Kleinlibelle auf. Auch die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum) lässt mich recht nahe an sich heran.

Geschlechtsreifes Männchen einer Gemeinen Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)

Geschlechtsreifes Männchen einer Gemeinen Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)

Unweit davon sehe ich eine Raubspinne mit untergeschnalltem Kokon ihres Weges gehen. Als sie in ihrer Bewegung verharrt gehe ich langsam auf sie zu und kann mehrere Bilder von ihr machen. Meiner Ansicht nach handelt es sich hierbei um eine Listspinne (Pisaura mirabilis).

Eine Listspinne (Pisaura mirabilis) mit Kokon

Vermutlich eine Listspinne (Pisaura mirabilis) mit Kokon

Neben den noch nicht erblühten Roten Waldvöglein finden sich auch in diesem Habitat einige Orchideen. Die erste direkt ins Auge fallende ist die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), welche wir auch auf dem Kalkmagerrasen bereits gesehen haben. Die Exemplare hier sind aber schon etwas weiter aufgeblüht.

Blütenstand einer Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)

Blütenstand einer Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)

Darüberhinaus wachsen hier unzählige Exemplare der Zweiblättrigen Waldhyazinthe (Platanthera bifolia). Diese gab es zwar in den anderen beiden Habitaten auch zu genüge, aufgrund der allgemein niedrigeren Vegetation hier läßt sich der Blütenstand aber besser freistellen.

Eine Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia)

Blütenstand einer Zweiblättrigen Waldhyazinthe (Platanthera bifolia)

Zudem finde ich noch eine Knabenkraut-Art, die ich allerdings bislang noch nicht weiter bestimmen konnte. Bei meiner nächsten Rückkehr werde ich einen Bestimmungsschlüssel mitführen und hoffe dann auf eine (eindeutige) Zuordnung.

Blütenstand eines unbestimmten Knabenkrauts

Blütenstand eines unbestimmten Knabenkrauts

Während des Flanierens erblickte ich im Schatten einen tief gelben Fleck, der Fruchtkörper einen Pilzes. Aufgrund des Standortes und der äußerlichen Merkmale glaube ich, dass es sich bei diesem Pilz um einen Kegeligen Saftling (Hygrocybe conica) handelt. Um eine maximale Schärfentiefe bei unscharfem Hintergrund zu gewährleisten, wurde dieses Bild aus acht Aufnahmen zusammengesetzt, die alle bei Offenblende gemacht wurden.

Vermutlich ein Kegeliger Saftling (Hygrocybe conica). Stack aus acht Bildern

Vermutlich ein Stumpfer Saftling (Hygrocybe chlorophana)

Zuletzt finde ich einen angebrannten Ast, vermutlich einer Kiefer. Aus diesem sind einige Fruchtkörper eines mir nicht bekannten Pilzes gewachsen. Das erste Bild ist eine Einzelaufnahme, wohingegen das zweite aus 34 Einzelaufnahmen zusammengesetzt wurde.

Ein unbestimmter Pilz, der auf einem angebrannten Ast (vermutlich Kiefer) wächst

Ein Zaunblättling (Gloeophyllum sepiarium), der auf einem angebrannten Ast (vermutlich Kiefer) wächst

Ein unbestimmter Pilz, der auf einem angebrannten Ast (vermutlich Kiefer) wächst. Stack aus 34 Bildern

Ein unbestimmter Pilz, der auf einem angebrannten Ast (vermutlich Kiefer) wächst

Fazit

Ein Tag mit unglaublich vielen Eindrücken liegt hinter mir. Zum einen konnte ich extrem viel von meinem in der Makrofotografie erfahrenen Freund lernen, andererseits habe ich auch viele Arten erstmalig gesehen. Wir hatten richtig gute Biotope ausgewählt und tolle Begegnungen gehabt. Wenn man sich nur langsam genug bewegt, dann können unglaubliche Bilder entstehen. Das gibt mir Zuversicht und viel Freude für die Zukunft!

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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