Sigma 50mm Art f1.4 DG HSM

Zwei Tage vor Heiligabend war es endlich so weit. Lange hatte ich hin und her überlegt und mit mir gerungen. Die eigentliche Entscheidung war aber eigentlich schon einen Monat vorher gefallen. Im November 2014 habe ich bei Foto Frenzel in Ulm mein Canon EF 16-35mm f4 L IS USM gekauft und dabei das Sigma 50mm Art f1.4 DG HSM in die Hand genommen. Das war eigentlich schon der Moment der Entscheidung. Welch ein vollendetes Werk lag da in meinen Händen. Das war schon ein ganz ordentliches Gewicht, aber dahinter steckt eben auch jede Menge Qualität. Nach dieser Berührung war klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist bis zu meinem nächsten Besuch. Ein Jahr lang habe ich Testberichte gelesen und mich gefragt, ob ich wirklich ein Sigma-Objektiv kaufen möchte. Am 22.12.2014 hatte ich die Linse ein zweites Mal in der Hand, dieses Mal um sie zu kaufen. Um es auf den Punkt zu bringen, eigentlich sollte dieser Artikel besser heißen: Offenblende rockt!

Das Paket

Wer das Sigma 50mm Art f1.4 DG HSM erwirbt, der findet in der Verpackung das Objektiv, eine Gegenlichtblende, zwei Objektivdeckel (vorne und hinten) und eine Tasche.

Das Sigma 50mm f1.4 DG HSM [Art] wie es aus der Verpackung kommt

Das Sigma 50mm Art f1.4 DG HSM wie es aus der Verpackung kommt

Alleine die Tasche ist schon durchdacht. In ihr findet sich ein kleines Polster. Ohne dieses Polster findet das Objektiv mit richtig angesetzter Gegenlichblende Platz. Legt man das Polster ein, so muss man die Gegenlichtblende vorher abnehmen oder umgekehrt arretieren. Was mich ein wenig stört ist der vordere Objektivdeckel. Ihn anzubringen ist ein Gefuddel. An der Gegenlichtblende vermisse ich den Canon-typischen samtartigen Stoffbezug, der den Staub bindet. Sie ist eben beidseitig komplett aus Plastik. Beim Anbringen am Objektiv schließt sie aber satt. Das Objektiv selbst liegt super in der Hand, natürlich noch besser mit Kamera.

Sigma 50mm f1.4 DG HSM [Art] ohne und mit Gegenlichtblende

Sigma 50mm Art f1.4 DG HSM ohne und mit Gegenlichtblende

Vergleich mit Canon EF 50mm f1.4 USM

Oder David gegen Goliath. Das Sigma kostet derzeit circa das 2,5-fache des Canon. Während das Sigma (mit Gegenlichtblende und beiden Objektivdeckeln) knapp 900g auf meine Küchenwaage bringt, wiegt das Canon lediglich 317g. An der Canon EOS 5D Mark III wirkt das Canon deswegen nicht wirklich gut ausbalanciert. Den Größenvergleich seht Ihr in diesem Bild.

20150104-AS-5D3-4065

Größenvergleich der beiden 50mm f1.4 Objektive

In den letzten beiden Wochen boten sich mir viele Gelegenheiten, das neue Objektiv ausgiebig zu testen. Vorher habe ich aber mit Hilfe von Reikan FoCal Pro den Autofokus meiner Kamera auf das Objektiv justiert (Autofocus Microadjustment, AFMA). Dabei ergab sich ein Wertvon +4. Dieser Wert ist nun dauerhaft in der Kamera hinterlegt, bis er wieder überschrieben wird. Danach ging es los. Die gesamte Zeit habe ich fast ausschließlich mit Offenblende fotografiert. Das Ergebnis hat mich wirklich umgehauen. Mit dem Canon hatte ich extrem viel Ausschuß und ich dachte schon, dass es an meinen fotografischen Fähigkeiten liegt. Heute denke ich eher, dass das Sigma einfach sehr viel schneller fokussiert. In anderen Testberichten kann man viel Positives über die Auflösungswerte lesen. Ich habe nicht die Technik um das zu bestätigen, mein persönlicher Eindruck geht aber in die gleiche Richtung. Das Canon ist bei f1.4 sehr weich, wohingegen  das Sigma deutlich besser auflöst. Machen wir nun noch einen kleinen Exkurs, just for fun…

Im Makroeinsatz

Da ich meine Familienbilder nicht dem Internet preisgeben möchte, musste ich zu einem anderen Mittel greifen um ein paar Versuche zu unternehmen. Dazu habe ich von meiner Mutter ein langjähriges und extrem geduldiges Familienmitglied ausgeliehen, das Modell stehen musste. An ihm habe ich Teile meiner Makroausrüstung zum Einsatz gebracht. Wir beginnen mit einer Ganzkörper Aufnahme des lustigen Gesellen bei f1.4, Fokus liegt auf dem zugewandten Auge.

Ganzkörper Aufnahme bei f1.4

Ganzkörper Aufnahme bei f1.4

Als nächstes folgt eine Aufnahme in der Nahdistanz des Objektivs. Das waren in diesem Fall 39cm von Schärfepunkt bis zur Sensorebene. Näher kann das Objektiv also nicht mehr scharf stellen.

Naheinstellgrenze-Sigma

Aufnahme in Nahdistanz von 39cm bei f1.4

Es folgt nun eine Aufnahme mit einem aufgeschraubten Achromat mit 2 Dioptrien Stärke (Canon 500D). Damit kommt man noch ein wenig näher.

Sigma-Achromat-2dpt

Aufnahme mit Canon 500D Achromat (+2dpt) bei f1.4

Der nächste Versuch mit dem Marumi Achromaten (+5dpt) bei f1.4 ist fehlgeschlagen. Ein Schärfebereich war für mich nicht mehr erkennbar. Daher habe ich auf f4 abgeblendet. Allerdings ist das Bild schon recht weich. Das Ergebnis seht Ihr hier.

Aufnahme mit Marumi Achromat (+5dpt) bei f4

Aufnahme mit Marumi Achromat (+5dpt) bei f4

Nach den Achromaten wollte ich nun meine Zwischenringe zum Einsatz bringen. Getreu dem Motto „Viel hilft viel“ habe ich erst einmal 68mm aufgeschraubt. Dabei bin ich der Nase des Clowns so nahe gekommen, dass ich ihn durch das Fokussieren fast umgehauen hätte. An ein vernünftiges Bild war natürlich nicht mehr zu denken. Also doch wieder klein anfangen und den 12mm Zwischenring angesetzt. Der Blickwinkel entspricht in etwa dem des Achromaten mit 5 Dioptrien, die Bildqualität ist meiner Ansicht nach aber besser.

Sigma-Kenko-12

Aufnahme mit 12mm Zwischenring bei f1.4

Die nächste Aufnahme erfolgte mit einem 20mm Zwischenring. Man merkt aufgrund der Nähe zum Motiv nun schon deutlich die durch das Objektiv bedingten Abschattungen.

Sigma-Kenko-20

Aufnahme mit 20mm Zwischenring bei f1.4

Zu guter Letzt fehlt der Vollständigkeit halber noch der 36mm Zwischenring.

Aufnahme mit 36mm Zwischenring bei f1.4

Aufnahme mit 36mm Zwischenring bei f1.4

Im Vergleich dazu die Aufnahme mit dem Canon EF 100mm f2.8 L IS USM MACRO Objektiv.

Canon-Macro-100-nah

Aufnahme mit Canon EF 100mm f2.8 L IS USM MACRO bei einem Maßstab von 1:1

Wir sehen, dass das Sigma 50mm Art f1.4 DG HSM mit einem 36mm Zwischenring ungefähr den Blickwinkel eines 100mm Makro-Objektivs bei einem Massstab von 1:1 erreicht. Das hat aber zumindest bei lebendigen Motiven keinen Praxisbezug, da die Distanz zum Motiv schlichtweg zu gering ist. Will sagen, das Motiv ergreift die Flucht.

Alles in allem hat aber der letzte Abschnitt hoffentlich dazu beigetragen, Euch einen Überblick über die Bildwirkung des Makro-Zubehörs zu geben. Meines Erachtens nach kann man am Sigma 50mm Art f1.4 DG HSM problemlos einen Achromaten mit 2 Dioptrien oder einen 12mm Zwischenring nutzen, ohne die Bildqualität vehement zu verschlechtern.

Fazit

Ich habe das Objektiv nun seit zwei Wochen und ich habe den Kauf definitiv nicht bereut. Was mir noch fehlt sind ein paar Landschaftsbilder mit Stativ, die ich aber hoffentlich in den nächsten Monaten nachliefern kann. Ansonsten ist das Sigma ein klares Upgrade zum Canon. Der Fokus sitzt, er ist sehr schnell, die Auflösung ist hervorragend und die Verarbeitung ist top! Einzig die erwähnten Punkte über den Objektivdeckel und die Gegenlichtblende bleiben zu erwähnen. Aber verglichen mit den positiven Aspekten fallen die dann wohl doch eher unter den Tisch. Für mich ein super Objektiv, das die Lücke zwischen dem Weitwinkel und dem leichten Telebereich/Makro schließt.

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.