Gibt es Pilze nur im Herbst?

Dieses Jahr ist ein gutes Pilzjahr. Das könnte unter anderem an dem feuchten Sommer gelegen haben. Dabei stellt sich doch die Frage: Gibt es eigentlich Pilze nur im Herbst. Vielleicht habt Ihr Euch schon gefragt, warum das eigentlich so ist. Dafür gibt es nämlich gute Gründe.

Saprobionten

Was wir als Pilze bezeichnen sind nur Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz ist ein unterirdisches Geflecht, das sogenannte Myzel. Nun kann man grob gesagt zwei Arten unterscheiden. Die einen bauen totes organisches Material ab, die sogenannten Saprobionten. Die sind deswegen so wichtig, da sonst der ganze Wald voll wäre mit totem organischen Material. Vertreter dieser Pilze findet man das ganze Jahr über. Beim Hallimasch oder auch dem hier abgebildeten Sparrigen Schüppling handelt es sich um Saprobionten.

Ein Sparriger Schüppling (Pholiota squarrosa) im Moos auf einem Baumstumpf

Ein Sparriger Schüppling (Pholiota squarrosa) im Moos auf einem Baumstumpf

Mykorrhiza

Andere Pilze gehen eine Verbindung zu beiderseitigem Nutzen mit anderen Pflanzen ein. So sind Orchideen dafür bekannt, dass sie ohne einen besimmten Pilz überhaupt nicht wachsen können. Der Pilz liefert bei dieser sogennanten Mykorrhiza mehr Nährstoffe als die Pflanze aus der Erde aufnehmen könnte. Die Pflanze bietet dem Pilz dafür durch Photosynthese erzeugten Zucker. Hier liegt nun auch der Grund dafür, dass wir diese Pilze erst im Herbst sehen. Im Winter haben die Pflanzen keine Blätter, somit gibt es keine Photosynthese. Im Frühjahr und Sommer benötigen die meisten Pflanzen die erzeugte Energie für das eigene Wachstum. Der Violette Lacktrichterling ist ein Beispiel für einen Mykorrhiza-Pilz. Leider war das unten abgebildete Exemplar nicht mehr so violett wie einige Tage vorher. Dies war wohl der Trockenheit geschuldet. Bei meinem ersten Besuch erstrahlten einige Quadratmeter Waldbodens in einem herrlichen Lila. Eine Art Schlumpfhausen.

Ein Violetter Lacktrichterling (Laccaria amethystea)

Ein Violetter Lacktrichterling (Laccaria amethystea)

Ein Violetter Lacktrichterling (Laccaria amethystea)

Ganzheitliches beobachten

Dass viele Pflanzen einen bestimmten Pilz benötigen hilft bei der Bestimmung. Deswegen sollte man niemals den Blick lediglich nach unten auf den Fruchtkörper, sondern auch nach oben zu den Bäumen richten. Das hilft natürlich nicht immer, da zum Beispiel die Kiefer wohl in der Lage ist, mit 25 verschiedenen Pilzen eine Symbiose einzugehen. Ungeachtet dessen, ist eine ganzheitliche Betrachtung auch des Lebensraumes ungeheuer wichtig.

Andreas Sebald

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter und immer wieder von neuem staunender Naturliebhaber. Aus dieser Leidenschaft haben sich im Laufe der Jahre meine beiden Hobbies entwickelt, das Wandern und die Naturfotografie. Diesen beiden Themen ist auch mein Internet-Auftritt gewidmet.

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